Montag, 31. Juli 2017

Istanbul Spaziergang - Von der Galatabrücke zum Valens Aquädukt - 1. Teil


Blick über Istanbul vom Süden aus. Links der Galata Turm, dann
die Galatabrücke mit der Mündung des Goldenen Horns,
die Yeni Moschee direkt am Ufer,
 rechts der Bosporus mit der Bosporusbrücke im Hintergrund


Ein Spaziergang führte mich im September 2016 durch wenig von Touristen bevölkerte Viertel Istanbuls. Dieser ca. fünf bis sechs Kilometer lange Weg beginnt beim Alt-Istanbuler Kopf der Galatabrücke, der den Eingang des Goldenen Hornes in den Bosporus markiert, führt entlang des südlichen Ufers des Goldenen Horns und knickt dann in südlicher Richtung hinein in die verwinkelten Gassen Alt-Istanbuls auf Höhe des Atatürk Boulevards und endet etwa beim Ratshaus der Megametropole. Neben einer meist kunsthistorischen Betrachtung, verbunden mit der Frage, was denn das eine oder andere Bauwerk so besonders macht, versuche ich durch das zahlreiche Einbetten von meinen Fotos, das Beschriebene greifbar zu machen (Fotos sind anklickbar zum Vergößern).


Der Spaziergang dargestellt in Google Maps


Links die Yeni Moschee, dann mit einem roten Banner verdeckt,
der Eingang zum Ägyptischen Basar, dahinter der Beyazit-Turm
der Istanbuler Uni, rechts auf dem 3. Stadthügel die
Sultan Süleyman I. Moschee
Der Kopf der Galatabrücke ist Ausgangspunkt einiger Spaziergänge durch die Stadt, kreuzen sich hier doch viele Verkehrswege zu Wasser und zu Lande. Entsprechend geschäftiges Treiben ist auch zu beobachten, wenn die Fähren vom Bosporus oder dem alten natürlichen Hafen des Goldenen Hornes ihre Passagiere in Schüben ausspeien, diese dann eilig versuchen die Metro, die Busse, die Straßenbahn oder die Minibusse zu erreichen, während andere erst einmal bei einem Fischbrötchen Rast machen. Frisch gefangen und gegrillt auf einen der manchmal prächtig dekorierten Boote, die entlang des Goldenen Hornes ankern.

Dabei könnten diese Rastenden den Blick von links nach rechts schweifen lassen, entlang der Galatabrücke zur direkt am Ufer gelegenen hoch aufragenden Yeni Cami ("Neue Moschee", 17. Jh.), zum dahinter liegendem ersten von sieben Stadthügel, mit dem thronendem Topkapi Palast der osmanischen Sultane, der rechts daneben liegenden majestätischen Hagia Sophia, den Spitzen der Minarette der Sultan Ahmet I. Moschee, dann wieder den Blick herab senkend auf den Eingang des Ägyptischen Basars, und während man noch die rechts befindliche auffällige Silhouette des Kuppelgebirges der Sultan Süleyman I. Moschee auf dem dritten Stadthügel bewundert, nimmt einen die Kuppel der Rüstem Pascha Moschee davor in Beschlag. Der Blick wandert weiter Richtung Westen zum Goldenen Horn und an den Ufern befindlichen Landmarken während in der Ferne die weiteren Sultans-Moscheen auf den Hügeln thronen.


Topkapi Palast vom Goldenen Horn aus gesehen,
rechts der Korbmacher Pavillon (16. Jh.),
seit 2011 Sitz des grünen Halbmondes (Anti Drogen NGO)



Rechts vom Topkpapi Serail blitzen die Kuppeln der Hagia Irene
und der Hagia Sophia über den Gülhane Park hervor


Links unter dem roten Plakat der Ägyptische Basar, dahinter
 der Beyazit-Turm, die Galatabrücke, darüber
die Sultan Süleyman I. Moschee


Eingang zum Ägyptischen Basar, wo es besonders viele Gewürze gibt
(wird zurzeit restauriert und steht voller Gerüste)


Die Süleymaniye genannte Sultan Süleyman I. Moschee, umgeben von
osmanischen Universitäten, etwas tiefer die Moschee seines
Schwiegersohnes, Rüstem Pascha. Im Vordergrund das Gitter
der Galatabrücke


Auf dem vierten von sieben Stadthügeln thront
die Sultan Mehmet II., Fatih Moschee, die im 18, Jh. nach einem Erdbeben
 fast komplett neu gebaut werden musste. Rechts darunter
die Molla Zeyrek Moschee, ehemals Pantokrator Kirche, ein Ziel dieser
Wanderung. Rechts neben den Segelmasten ein Rest eines Turmes
der byzantinischen Seemauern, das als Gefängnis genutzt wurde.


Auf dem fünften Stadthügel, weiter stromaufwärts das Goldene Horn entlang,
liegt die Sultan Selim I. Moschee. Davor drei Türben (Mausoleen).
Im Vordergrund die Galatabrücke, dahinter die neue Metrobrücke


Galatabrücke vom Süden aus gesehen. Aus
der Richtung des großen gedeckten Basars.
Im Vordergrund sieht man das Dach
des Ägyptischen Basars

Das Viertel, wo wir starten, ist vielleicht einer der farbigsten von Istanbul: Eminönü. Ich komme darauf vielleicht noch einmal in einem anderen Spaziergangs-Artikel zu sprechen, möchte hier aber schon mal einige Hintergrundinformationen mitteilen. Im spätbyzantinischen Reich hatten nämlich hier die italienischen Stadtstaaten ihre Viertel verpachtet bekommen. Die Marktzone rechts der Brücke erhielten die Venezianer, die links der Brücke die Kaufleute aus Amalfi. Noch weiter links lagen dann die Kontorhäuser und Lagerhäuser von Genua und Pisa, die allerdings ansonsten eher nördlich des Goldenen Horns ihr Zentrum hatten - in Pera / Beyoğlu. Dort, wo heute die Yeni Moschee steht, befand sich im Mittelalter das Viertel der karäischen jüdischen Kaufleute, das wie ein Keil zwischen denen von Venedig und Amalfi lag. Anders als die Italiener, die nach der Eroberung der Stadt durch die Osmanen 1453 ihre Niederlassungen bis auf die in Pera verloren hatten, durften die jüdischen Kaufleute dort noch bis zum Brand 1660 Handel treiben. Danach wurden auch sie aufgrund der Moscheebaupläne der Yeni Moschee umgesiedelt, ins drei Kilometer stromaufwärts des Goldenen Horns gelegenen Viertels Hasköy. Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts mögen dort noch gelegentlich ihre Nachkommen anzutreffen sein. Ansonsten erlebte auch Istanbul ab Mitte des 20. Jh. und im 21. Jahrhundert die Flucht großer Teile der Juden - wie überall in mehrheitlich muslimischen Gesellschaften.
Von den Bauten der italienischen Stadtstaaten finden sich heute keine Spuren mehr südlich des Goldenen Hornes.

Konstantinopel zu byzantinischer Zeit. Auch wie es über die
Jahrhunderte durch die Kaiser erweitert wurde. Man sieht hier recht gut die
sieben Stadthügel, die sich in der Stadtsilhouette aber nur gering abheben.
Dennoch kann man diese erkennen, da auf deren Kuppen meist
repräsentative Gebäude errichtet wurden.



Noch immer gibt es Schuhputzer rund um die Yeni Moschee. Mit Lizenz.
Bis Ende der 1980er Jahre reichten die Bauten der Geschäfte, der Fabriken, der Manufakturen, der Kaianlagen, der Werften teilweise bis an das Ufer des Goldenen Hornes heran. Im Zuge einer umfassenden und teilweise auch rabiaten Stadtsanierung rund um das Goldene Horn, wurden diese oft entfernt, mitsamt damals noch stehenden Teilen der großen byzantinischen Seemauern sowie weiterer Bauten. Ersetzt wurden diese mit einem Stadtpark und Grünanlagen, die nun das südliche Ufer des Goldenen Hornes dominieren, sowie mit einer Sanierung des stinkendem faulendem Gewässers des Goldenen Horns, und dennoch findet man am Ufer noch einige interessante Bauwerke.



angebliches Grab von Cafer Baba im Gefängnisturm
Beginnen wir also mit dem Platz, der heute von Parkplätzen dominiert ist und Zindan Kapı heißt, zu deutsch, Gefängnistor. Hier sehen wir wie altersschwach angelehnt an ein Gebäude, tatsächlich noch einen Überrest der byzantinischen Seemauer: Einen Turm. Er scheint jahrhundertelang von den Byzantinern bis zu den Osmanen als Gefängnis gedient zu haben, und hier wurde in wundersamer Weise nach der Eroberung der Stadt 1453 von den Osmanen das Grab von Cafer Baba wiederentdeckt. Der Turm - der über Kerker errichtet wurde - verschmilzt mit dem Gebäude des Zindan Hans, einem Bauwerk des 19. Jh., welches auch als Han der Juweliere diente, und heute ein Restaurant mit guter Aussicht beherbergt (Surplus Restaurant). Das Grab dient bis heute als Stätte frommer Verehrung, und rettete wohl den Gefängnisturm vor der Zerstörung. Cafer Baba soll nach einer lokalen Legende als Gesandter Harun ar-Raschids nach Konstaninopel gekommen sein, wurde jedoch in Ketten gelegt und soll hier verstorben sein.


Grab von Cafer Baba


Der große Reisende, Schriftsteller und als "kleiner osmanischer Münchhausen" geltende Evliya Çelebi (1611 - 1683) schreibt:

Cafer Baba wurde im Kerker der Ungläubigen in einem Winkel begraben, wo bis zum heutigen Tage seinem Namen Schimpf widerfährt durch all diese glaubenslosen Malefizbuben, Schuldner, Mörder - und was sonst noch -, die hier in Banden lagen. Als aber - Gott sei gelobt! - Istanbul erobert ward, wurde des Cafer Babas letzte Ruhestatt im Turm des Bagno ein Zielort frommer Wallfahrer, vornehmlich solcher, die aus Gefängnissen entlassen waren, und die nun, den Flüchen der Ungläubigen zum Spott, hier ihre Segenswünsche rufen.

Früher soll der Heilige im oberen Stockwerk des Turmes begraben worden sein, heute befindet sich sein Grab im Erdgeschoss.



Ahi Çelebi Moschee mit Kuppeln des Portikus rechts,
dahinter die Sultan Süleyman Moschee
Auf dem Weg zur Ahi Çelebi Moschee gleich in der Nähe, können wir Überreste alter Gemäuer entdecken, wahrscheinlich eines der Seetore aus byzantinischer Zeit. Nach der Eroberung der Stadt nannten hier ansässige Griechen das Tor als "Tor der Karavellen" wegen der Schiffe, die hier festmachten. In türkischer Zeit hieß dieses Yemiş Iskelesi (Obst-Kai), wegen all der Schiffe die Obst zum Großmarkt brachten. Wie schon erwähnt, gibt es aber heute keine Anleger mehr, jenseits von Fähranleger für Passagiere am Goldenen Horn und einigen wenigen Werften. Heute gelangen wie überall in der industrialisierten Welt die Obst- und Gemüsewaren mittels Container in den Großhandel. Kurz darauf sehen wir die kleine gedrungene Moschee des Ahi Çelebi ibni Kemal, die im typisch byzantinischem Stil beeinflusst ist, den wir so häufig in Istanbul antreffen: Der abwechselnde Schichtwechsel der Mauern von Haustein und rotem Ziegelstein, der Bauten bei Erdbeben besonders widerstandsfähig macht. Wann die Moschee errichtet wurde, ist nicht bekannt. Ahi Çelebi war Chefarzt im Krankenhaus des Sultans Mehmed II, des Eroberer (reg. 1451 - 1481), und starb 1523 nach seiner Rückkehr der Pilgerfahrt nach Mekka. Eine Besonderheit stellt der  Portikus dar, der geschlossen ist und höhlenartig eng wirkt, weil er durch zwei massive Stützpfeiler in der Raummitte verstellt wird. Diese tragen zusammen mit den entsprechenden Pilastern an den Wänden sechs Kuppeln.


Ahi Çelebi Moschee von innen. Mächtige gedrungene Pfeiler stützen die
Spitzbögen. Das bekommen die osmanischen Baumeister später eleganter hin.


Besonders erwähnenswert oder besuchenswert ist die Moschee eigentlich nicht, wäre da nicht eine Anekdote des oben erwähnten Evliya Çelebi, die diesen Ort zum Leben erweckt, und wie so oft in Istanbul unscheinbare "tote Steine" zum Leben erweckt, und man hinter jeder Ecke der Stadt plötzlich die Vergangenheit vor sich abspielen sieht, sofern man denn darüber sich etwas angelesen hat. Die Moschee selbst ist unspektakulär: Eine Kuppel wird durch vier Schildwände, bekrönt von Spitzbögen, gestützt. Gedrungene Pfeiler trennen zwei Seitenschiffe vom Hauptraum ab, so dass sich ein querrechteckiger Raum ergibt. Evliya schreibt also im Buch der Reisen (Seyahatname), wie er Zwanzigjährig in einer Nacht des Fastenmonats 1631 einen Traum gehabt habe. Er befände sich damals in dieser Moschee beim Gebet, als plötzlich die Moschee sich füllte mit "strahlenden heiligen Männern", und auf dem Schlachtfeld gefallener Helden beziehungsweise Märtyrer. Zuletzt trat sogar der Prophet Muhammad persönlich in die Moschee ein, um Evliya zu verstehen zu geben, dass dieser sein Leben auf Reisen widmen sollte. Evliya konnte es kaum glauben, was er da geträumt hatte, und so beschloss er einen Traumdeuter in der damaligen Vorstadt Kasım Paşa auf der anderen Seite des Goldenen Horns aufzusuchen, der außerdem Gesichter deuten konnte. Wie konnte es anders sein, als dass er seine Bestimmung, seinen Traum, bestätigte, woraufhin Evliya beschloss, sein Leben den Reisen und der Geschichtsschreibung und Erlebnisberichten zu widmen - manchmal mit einem Augenzwinkern geschrieben, weshalb man nicht alles ernst nehmen darf was er so berichtet. Dennoch sind seine Bücher unschätzbare Quellen über das osmanische Reich des 17. Jahrhunderts.
Ich war zufällig zur Gebetszeit wochentags anwesend, und die Beobachtung in dieser kleinen Moschee, wie auch in anderen größeren Moscheen Istanbuls waren immer dieselben: Richtig voll waren fast keine der Moscheen. Voller wurden sie nur am Freitag, dem "islamischen Sonntag".

Am Rande des Basarviertels, wo es gelegentlich vorkommt, dass sich eine Straße
auf eine Ware oder eine Produktgattung spezialisiert hat - z. T. bis heute

Gehen wir weiter an der Uferstraße des Goldenen Horns entlang, erreichen wir drei der ältesten Moscheen der Stadt, alle unscheinbar, aber doch die Vergangenheit dieser Gegend lebendig werden lassend. Dabei können wir auch durch die nördlichen Gassen des Basarviertels streifen, der den gesamten zweiten Stadthügel umfasst, mit dem Zentrums des großen gedeckten Basars (Kapalı Çarşı) und der Nuru Osmaniye Moschee auf dem Gipfel des Hügels. Hier unten am Ufer sind die äußersten Ausläufer dieses Basarviertels.


Minarett der kleinen Kantacılar Mescidi

Als erstes erreichen wir die Kantacılar Mescidi, den "Gebetssaal der Waagenmacher", deren Zunft hier seit Jahrhunderten ansässig war. Sarı Demirci (Feinschmied) Mevlana Mehmed Muhittin hat sie während der Herrschaft Sultan Mehmed II. errichten lassen (15. Jahrhundert). Als Mescit wird in der Türkei eine kleinere Moschee bezeichnet, die, im Unterschied zur Cami, nicht für das Freitagsgebet bestimmt ist und deshalb keine Predigerkanzel (minbar), jedoch immer eine Gebetsnische (mihrab) enthält. Wie man sieht, hat der Innenraum umfangreiche Umbauten in jüngerer Zeit gesehen, und es erinnert Innen nichts mehr an das Jahrhunderte währende Alter der Moschee. Alles ist in der Moderne restauriert worden, wobei es auch geboten erschien, dieser Mescit einen Minbar (Predigerkanzel) zu spendieren.

Kantacılar Mescidi von innen, mittig Gebetsnische (mihrab) und
Predigerkanzel (minbar)


Die Wände sind über und über mit Fliesen im klassischen osmanischen Iznik Stil gefüllt, allerdings Produkte der modernen Massenproduktion des 20. Jahrhunderts, und mit wenig Kunstverstand ausgewählt, denn dadurch erinnert stellenweise das Innere mehr einem Badezimmer, als an eine osmanische Moschee. Nach dem Motto Viel hilft Viel, wurde hier ein- und dasselbe Muster repetitiv viel zu viel gefliest, außerdem mit einer Fliese, die wenig Weiß enthält, und dadurch den Arabesken keine Luft zum Atmen lässt, und durch die Wiederholung diesen gedrungenen Effekt noch verstärkt. Die Restauratoren haben wohl leider nur oberflächlich die Osmanische Kunst verstanden. Ähnliche wirkende Ver(sch)wendung von Fliesendekor in Moscheen lässt sich auch in deutschen Moscheen beobachten. Übrigens kann man als Laie recht einfach erkennen, aus welcher Zeit eine Iznik Fliese stammt. Klassische Iznik Fliesen der Blütezeit des 16. Jahrhunderts haben ein leuchtendes sogenanntes Bolusrot. Vor dieser Blütezeit und danach, wurde dieses Rot nie mehr erzielt, bis auf die letzten Dekaden, wo dieses Rot durch Kunsthandwerker wieder hergestellt werden konnte. Flachdächer sind übrigens nicht nur für Mescits öfters eine Wahl des Baumeisters gewesen, sondern gelegentlich auch bei den größeren Freitagsmoscheen, also Camis.


Kantacılar Mescidi von innen, Flachdach. Mit Ventilatoren.



Freitag, 3. Juni 2016

Argumentesammlung für einen gezielten Völkermord an den Armeniern

New York Times Schlagzeile, 15. Dezember, 1915
Kaum einer kann sich mit einen historischen Thema intensiver beschäftigen, da den meisten einfach die Zeit fehlt. Um eine Ahnung davon zu bekommen, worum es konkret eigentlich geht, gibt es hier einen Schnellkursus eines mir bekannten vertrauenswürdigen Wikipedia-Autoren (türkischsprachig) mit Belegen (!), der mal kurz und bündig einige der gängigsten Argumente auflistet, wieso die internationale Forschung mehrheitlich von einem geplanten Genozid ausgeht - nicht von der gesamten jungtürkischen Regierung ausgehend, sondern aus dem inneren Kreis ausgehend, warum es auch manchmal widersprüchliche Signale und Handlungen gab. Den oberen Abschnitt kann sich jeder mal in einer Minute durchlesen, diese Punkte können einfach meist mit gesundem Menschenverstand beurteilt werden, also ohne jegliche Vorkenntnisse, danach folgen viele weitere Belege. Diese Liste ist übrigens unvollständig und teilweise auch nicht ganz aktuell (ist von 2008), denn es gab in den letzten knapp zehn-fünfzehn Jahren viele weitere Belege und Erkenntnisse, die nicht eingeflossen sind. Hier meine vor Jahren gemachte Einschätzung in einem Blogartikel, auch die muslimischen Opfer berücksichtigend.
Folgendes ist nicht meine Arbeit, ich zitiere sie nur freundlicherweise mit Genehmigung und kleinen Ergänzungen hieraus:

"Argumentsammlung Gezielte Auslöschung


Hans-Lukas Kieser definiert den Armeniermord als "Zusammenspiel zentraler und lokaler Kräfte" und als "Prozess kumulativer Radikalisierung vor dem Hintergrund langfristiger ideologischer Optionen".[11] Gedanken, die meine Zustimmung finden

Argumentesammlung für ein planvolles Vorgehen:
  • November 1914 (vor Beginn der Deportationen) wurden erste Dörfer geplündert.[8]
  • Ende Februar ((vor Beginn der Deportationen) verloren Armenier ihre Stellung in osmanischen Behörden.[8]
  • Ebenfalls vor dem eigentlichen Beginn der Deportationen befahl Enver Pascha der Armee, die armenischen Soldaten zu entwaffnen.[2] [3]
  • Die Deportationen wiesen trotz regionaler Unterschiede überall das gleiche Grundmuster auf.[3]
Militärische Notwendigkeiten?
  • Auch frontferne (siehe Devletarsivleri (Abschnitt techir kararinin uygulandigi bölgerler) Armenier aus Westanatolien und Thrazien wurden vertrieben.[2][3]
  • Die Armenier aus dem Westen wurden in Richtung Front deportiert.
  • Von den Deportationen waren auch Frauen und Kinder betroffen.[15] (Frauen und Kinder, militärisch notwendig??)
  • keine landesweite Erhebung der Armenier [11] regionale Rebellionen unterschiedlicher Völker waren zu jener Zeit in nahezu allen Regionen des Reiches zu beobachten.[8] Vgl. auch die Augenzeugenberichte zum Aufstand in Van in den Akten des Auswärtigen Amtes, laut Talat Bey kamen bei diesen militärischen Auseinandersetzungen auf armenischer Seite 400 Menschen [17]ums Leben (Massenaufstand??)
  • Die Armenier wurden nicht aus dem Frontgebiet heraus, sondern in Richtung der Frontlinien transportiert (Taner Akcam: A shameful Act, S. 10)
Argumente
  • Vorkehrungen für eine mögliche Wiederansiedlung der deportierten Armenier wurden nicht getroffen.[3] (ohne Wiederansiedlung keine "Deportation")
  • Bei den Zielorten handelte es sich um unwirtliche und wüstenähnliche Regionen. (Das eigentliche Ziel der Deportation muss demnach die Vernichtung gewesen sein)
  • Angebote anderer Staaten den Deportierten humanitäre Hilfe zu leisten, lehnte Istanbul strikt ab.[3]
  • Mit persönlichen Emissären wurden zuvor erteilte Dekrete, die Deportierten gut zu behandeln, aufgehoben. [2][3]
  • Warum wurden osmanische Landräte und Gouverneure, die sich der Deportation widersetzten abgesetzt[19]oder beseitigt[20][21]
  • Aussagen und Beweismittel aus den Istanbuler Prozessen (vgl. die Kapitel in Taner Akcam)
  • Dutzende und Aberdutzende Augenzeugenberichte in deutschen Akten, Mitarbeiter der Bagdad-Bahn, Missionare, Krankenschwester, deutsche Soldaten im osmanischen Heer etc. etc., Berichte amerikanische Konsulare, amerikanische Botschafter. Bücher etc.


Aleppo Governor Mehmet Celal Bey stated that the goal of the Ottoman government was "to annihilate" the Armenians.[119]
Due to his defiance of the deportations, he was removed from his post as governor.[120]


Dienstag, 25. März 2014

Gegenposition zum KRM-Gutachten zu Prof. Khorchide

Allāh-Kalligraphie in der
„Eski Cami“ (Moschee), Edirne, Türkei

Gastbeitrag 


Wallahu a’lam? Politik und Glaube

 

Islamismus und antimuslimischer Rassismus haben das Diskursfeld geprägt, in dem die politische Debatte um den islamischen Theologen Khorchide stattfindet. Es geht also nicht um Glauben und Religiosität, sondern um Macht und kollektive Identitäten


Von Hannes Bode *


Seit Monaten berichten die Medien über den ‚Fall Khorchide‘, die Auseinandersetzung zwischen sogenannten Islamverbänden auf der einen und islamischen Theologen und Uni Münster auf der anderen Seite. Der Streit war mit der Veröffentlichung eines im Auftrag des „Koordinationsrates der Muslime (KRM)“ erstellten „Gutachtens“ über ein populärwissenschaftliches Buch Khorchides eskaliert – im Schatten des Gutachtens wurde verbreitet, Khorchide würde den Rahmen islamischer Theologie verlassen haben, eine Behauptung, die durch das Gutachten nicht gestützt wird. Drei Punkte verdienen in diesem Zusammenhang Beachtung: 1. die argumentative Schwäche des Gutachtens, 2. die der Auseinandersetzung eigentlich zugrundeliegende Bemühung der Islamverbände, im Namen „der Muslime“ Einfluss zu erhalten, und 3. die Tatsache, dass die Verbände dabei in einem identitätslogischen Diskurs die Aussagen antimuslimischer Rassisten spiegeln und an der Konstruktion des Anderen, des ‚Kollektivsubjekts Muslim‘ teilhaben.

Das grundlegende Problem des Gutachtens ist die Vermengung von drei unterschiedlichen Bereichen: die Frage ‚säkularer‘ religions- oder textwissenschaftlicher Methoden, die Frage islamischer Methoden im Sinne der religiösen Islamwissenschaften sowie die Frage des Glaubens und der Religiosität, d.h. des Verhältnisses der Einzelnen zu Gott. So wird erklärt, „die propagierte ‚Theologie der Barmherzigkeit‘“ beruhe „überhaupt nicht auf einer eindeutig identifizierbaren wissenschaftlichen Methode – weder einer der Islamwissenschaft entnommenen Methode, noch einer der Christlichen Theologie entnommenen Methode und erst recht keiner eigenständig entwickelten, der Islamischen Theologie dienlichen Methode“. Eine theologische Reflexion auf die im sakralen Text des Koran dominierende Idee der Barmherzigkeit (rahma) des „Allerbarmers“ (al-rahman al-rahim) kann aber nicht auf Methoden der Islamwissenschaft beruhen – die Islamwissenschaft als Religionswissenschaft blickt kritisch auf eine Sammlung von Texten und erforscht, warum und wie Menschen sich zu verschiedenen Zeiten eine Vorstellung von Göttern oder einem Gott gemacht haben. Ein Islamwissenschaftler würde in Bezug auf die arabo-islamische Vergangenheit sicherlich keine „Geschichte der Barmherzigkeit“ schreiben. Khorchide, ein gläubiger Muslim, betrachtet den Koran jedoch nicht historisch-kritisch und distanziert als ‚Quelle‘, sondern als Fundament seiner Beziehung zu Gott, was für die Verbände eigentlich kein Kritikpunkt sein dürfte. Auch der Vorwurf des Ignorierens christlich-theologischer Traditionen geht ins Leere – doch widerspricht sich das Gutachten selbst, wenn es einmal ihre Nichtverwendung und ein paar Seiten weiter wiederum ihre angebliche Verwendung kritisiert. Seine Ideen sind zudem keineswegs ‚neu‘ oder ‚fremd‘, vielmehr knüpfen sie an Debatten der arabo-islamischen nahda des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie an ‚Reformer‘ des späten 20. Jahrhunderts an, und haben durchaus auch Vorläufer in der ‚islamischen‘ Geschichte der Pluralität und Ambiguität.

Im Gutachten wird die Unfähigkeit deutlich, das Wesen der theologischen Arbeit zu erfassen, die auf den sakralen Text und auf Gott bezogenen ist. Vielmehr handelt es sich um einen eindeutig ‚säkularen‘ Wissenschaftstext, der – in Teilen widersprüchlich – ein Sammelsurium an überwiegend textkritischen Argumenten gegen eine Idee in Stellung bringt, die ihrerseits auf der gläubigen Reflexion eines Theologen auf Basis einer holistischen Koranexegese beruht. Dass ihm so ‚Unwissenschaftlichkeit‘ unterstellt wird, um ihn dann aber aus einer ‚islamischen‘ Position heraus als ‚unislamisch‘ bzw. ‚ungläubig‘ zu diskreditieren, ist paradox.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Fethullah Gülen - Geschichte und Analyse

Fethullah Gülen beim Papst 1998


Wer hätte das gedacht? Nun eskaliert der schon seit einigen Jahren schwelende innermuslimische Disput in der Türkei zwischen den Anhängern des geistlichen Führers Fethullah Gülen und den AKP Politikern. Da die Informationen in den Zeitungen zu einem der weltweit einflussreichsten islamischen Prediger Fethullah Gülen naturgemäß recht spärlich sind, hier nun eine Analyse vom Türkei Experten Dr. Günter Seufert, die er noch vor der jüngsten Eskalation auf der SWP Internetseite veröffentlicht hatte. Er geht allerdings auch schon auf die Vorgeschichte der Entfremdung beider islamischer Machtblöcke seit 2010 ein.
Die Beurteilung von Gülen gestaltet sich schwierig. Man muss wohl jede Facette dieses Phänomens einzeln und differenziert betrachten. Einerseits die Positionen die er in früheren Jahren vertreten hatte, und anderseits diejenigen, die er heute hat. Einerseits die undurchsichtigen, intransparenten und geheimnistuerischen Strukturen, andererseits die guten Taten von vielen Anhängern an der Basis der Bewegung. Einerseits die Ziele und die Mittel zur Durchsetzung der Ziele in der Türkei, andererseits die in der Diaspora. Dabei gibt es eher weniger differenzierte Untersuchungen, entweder wird Fethullah Gülen verherrlicht oder verdammt. Daher nun diese Studie als PDF, die ein wenig Licht ins Dunkel bringen kann, ohne kritische Fragen auszublenden, aber auch nicht in islamophobe Panik bei der Beurteilung zu verfallen.



SWP-Studie
Stiftung Wissenschaft und Politik
Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit

Günter Seufert
Überdehnt sich die Bewegung von Fethullah Gülen? 
Eine türkische Religionsgemeinde als nationaler und internationaler Akteur 
Dezember 2013 Berlin

Hier nun ein Auszug, der der Frage nachgeht:  NGO - Netzwerk, Religionsgemeinde oder politischer Geheimbund?

Gülen und seine Anhänger: Versuch einer
Bestimmung
NGO
-
Netzwerk, Religionsgemeinde oder
politischer Geheimbund?
Als Reaktion auf Kritik an mangelnder Transparenz
gesteht die Gülen-Bewegung seit etwa zwei Jahren zu,
dass sie mehr ist als eine Reihe nebeneinander existie-
render Institutionen. In internationalen Publikationen
bezeichnet sie sich mittlerweile als »Gesellschaft«
(society) und weist gleichzeitig den Begriff »Gemeinde«
(community/cemaat) für sich zurück. Die Selbstdefini-
tion als Gesellschaft dient zwei Zwecken: Erstens will
die Bewegung damit suggerieren, es gebe keine feste
Mitgliedschaft (und damit auch keine feste innere
Struktur) und keine Abgrenzung nach außen. Zwei-
tens soll der Eindruck erweckt werden, die eigene
(ethische und politische) Orientierung decke sich voll-
kommen mit den Orientierungen des Mainstreams der
türkischen Gesellschaft, man repräsentiere diese und
gehe gleichzeitig in ihr auf. 108  In der aktuellen Selbst-
darstellung einer Institution des Netzwerks, in der der
Vorwurf zurückgewiesen wird, man verfolge eigen-
nützige politische Ziele, heißt es, man sei eine »demo-
kratische, zivilgesellschaftliche Bewegung«. 190
Von Religion ist in keiner der beiden angeführten Schlüssel-
dokumente die Rede. Tatsächlich spielen Missionie-
rung oder auch nur der Unterricht von Religion in den
offiziellen Institutionen der Bewegung keine Rolle. 
Die Bewegung macht jedoch gleichzeitig kein Hehl
daraus, dass ihre zivilgesellschaftlichen Aktivitäten
aus einem religiösen Antrieb heraus erfolgen. Die
entsprechenden Überlegungen ihres Spiritus Rector
dazu werden offen vorgetragen, und es ist kein Ge-
heimnis, dass die große Zahl der in Schulen und
Vereinen arbeitenden Ehrenamtlichen, aber auch die
Lehrer, die der Bewegung angehören, ihr pädagogi-
sches Engagement als gottgefälliges Handeln per se
verstehen. Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass die
Aktivisten von einem starken Gefühl der Zugehörig-
keit zur Bewegung und der Loyalität mit ihr erfüllt
sind. Darüber hinaus ist ein gemeinsamer Habitus der
Gefolgsleute Gülens nicht zu übersehen.
Wo aber bilden sich diese Merkmale heraus? Als
Antwort darauf wird meist auf die Wohngemeinschaf-
ten der Bewegung verwiesen, die auf die Frühzeit von
Gülens Wirken zurückgehen und »Lichthäuser«
genannt werden. Ihr Alltag ist durch strikte Verrich-
tung der Ritualgebete, repetitives Gottesgedenken,
Koranlesen und die Lektüre von Schriften Gülens
gekennzeichnet. Hinzu kommen soziale Kontroll-
mechanismen, die das Verhalten der Aktivisten prägen
sollen, wie zum Beispiel Gruppendiskussionen und
das Gebot der gegenseitigen Übernahme von Verant-
wortung für das Handeln des jeweils anderen WG-Mit-
glieds. All dies führt zu einer Verstetigung von intel-
lektuellen, emotionalen und handlungsleitenden
Dispositionen, die den genannten Habitus hervor-
bringen. 111  Gülen selbst sieht in den Wohngemein-
schaften den dynamischen Kern seiner religiösen
Gemeinde. Deren ganze Energie soll nach ihm auf
weiteres Wachstum gerichtet sein und – als Fernziel –
auf die Versittlichung der Gesellschaft, was in Gülens
Denken im Hinblick auf die muslimischen Länder mit
einer zivilgesellschaftlichen Re-Islamisierung zusam-
menfällt. Um den Einzelnen zum »Soldaten des Lichts«
zu machen, der all sein Trachten auf diese Aufgabe
richtet, gelte es, die »leeren Köpfe« einer »nach inhalts-
losen Schablonen lebenden Generation« mit den Wahr-
heiten des Glaubens zu füllen. 112
Die Anhänger der Bewegung sind davon überzeugt,
dass sie einen offenbarten göttlichen Auftrag erfüllen
und beziehen sich dabei auf einen Ausspruch des
Propheten (Hadith), mit dem dieser auf die Frage nach
seinen treuesten Gläubigen Folgendes geantwortet
habe: »Meine aufrichtigsten Gefolgsleute befinden sich
nicht hier bei mir. Sie werden in einer Zeit hervor-
treten, in der der Islam von innen und von außen
angegriffen wird. Es werden ihre Tugend und ihr
mustergültiges Verhalten sein, die die Botschaft Gottes
stärken.« 113  Gülen gilt seinen Anhängern deshalb als
der erwartete Erneuerer des Glaubens, 114  und vielen
sind sein Wissen und seine Predigten Ausdruck gött-
licher Inspiration. 115
Die innere Struktur der Religionsgemeinde kann
man sich als eine Reihe konzentrischer Kreise vor-
stellen. 116  


Mittwoch, 27. November 2013

Rabia







Ein Artikel aus der EI² via A.I.M.... ;)

Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Ḳaysiyya
[von Margaret Smith; überarbeitet von Charles Pellat]
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Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Ḳaysiyya (a double nisba because she was attached to a family, the Āl ʿĀtik, of ʿAdī b. Ḳays (of Ḳurays̲h̲; see Ibn al-Kalbī-Caskel, tab. 35)), famous mystic and saint of Baṣra.

One cannot go so far as to throw into doubt her historical existence, but the traditions about her life and teachings include a very large proportion of legend which today can hardly be distinguished from authentic information. With this qualification borne in mind, one may nevertheless be permitted to present a portrait of the saint as it was conceived by her coreligionists over the course of the centuries.

She is said to have been born in 95/714 or 99/717-18 and to have breathed her last at Baṣra in 185/801, where her tomb was shown outside the city (see al-Harawī, Ziyārāt , ed. and tr. J. Sourdel-Thomine, 81/88). In the evolution of Ṣūfī mysticism, she became one of the three most famous female mystics of Baṣra, the two others being Muʿād̲h̲a al-ʿAdawiyya, wife of the “ascetic” ʿĀmir b. ʿAbd al-Ḳays al-ʿAnbarī [q.v.], and a certain Umm al-Dardāʾ (see Pellat, Le milieu baṣrien , 104).

Born into a poor home, she was stolen as a child and sold into slavery (she is even sometimes made into a ḳayna [q.v.]), but her sanctity secured her freedom, and she retired to a life of seclusion and celibacy, at first in the desert and then in Baṣra, where she gathered round her many disciples and associates, who came to seek her counsel or prayers or to listen to her teaching. These included ʿAbd al-Wāḥid b. Zayd (d. 177/793; see Pellat, Milieu , 102-3 and index), Mālik b. Dīnār [q.v.], the ascetic Rabāḥ al-Ḳaysī, the traditionist Sufyān al-T̲h̲awrī [q.v.] and the Ṣūfī S̲h̲aḳīḳ al-Balk̲h̲ī. Her life was one of extreme asceticism and otherworldliness. Asked why she did not ask help from her friends, she said, “I should be ashamed to ask for this world’s goods from Him to Whom they belong, and how should I seek them from those to whom they do not belong?” (it should be noted that al-D̲j̲āḥiẓ, more conscious of the neatness of this reply than of its deeper sense, cites it at least twice (in Ḥayawān , v, 589, and Bayān , iii, 127) and does not mention any other details concerning Rābiʿa, which seems to show that, in the 3rd/9th century, the legend around her had not yet totally crystallised. On the other hand, this tradition, perhaps authentic, is contradicted by a piece of evidence according to which she possessed a k̲h̲ādim/k̲h̲ādima and by the mention, in al-Ḥusaynī, of another saint called Maryam al-Baṣriyya, her servant and disciple, to whom she had communicated her doctrine of pure love, ʿilm al-maḥabba ).

To another friend she said, “Will God forget the poor because of their poverty or remember the rich because of their riches? Since He knows my state, what have I to remind Him of? What He wills, we should also will.” Miracles were attributed to her as to other Muslim saints. Food was supplied by miraculous means for her guests, and to save her from starvation. A camel, which died when she was on pilgrimage, was restored to life for her use; the lack of a lamp was made good by the light which shone round about the saint. It was related that when she was dying, she bade her friends depart and leave the way free for the messengers of God Most High. As they went out, they heard her making her confession of faith, and a voice which responded, “O soul at rest, return to thy Lord, satisfied with Him, giving satisfaction to Him. So enter among My servants into My Paradise” (sūra LXXXIX, 27-30). After her death, Rābiʿa was seen in a dream and asked how she had escaped from Munkar and Nakīr [q.v.], the angels of the tomb, when they asked her, “Who is your Lord?”, and she replied, “I said, return and tell your Lord, ‘Notwithstanding the thousands and thousands of Thy creatures, Thou hast not forgotten a weak old woman. I, who had only Thee in all the world, have never forgotten Thee, that Thou shouldst ask, Who is thy Lord?’”