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Dienstag, 25. März 2014

Gegenposition zum KRM-Gutachten zu Prof. Khorchide

Allāh-Kalligraphie in der
„Eski Cami“ (Moschee), Edirne, Türkei

Gastbeitrag 


Wallahu a’lam? Politik und Glaube

 

Islamismus und antimuslimischer Rassismus haben das Diskursfeld geprägt, in dem die politische Debatte um den islamischen Theologen Khorchide stattfindet. Es geht also nicht um Glauben und Religiosität, sondern um Macht und kollektive Identitäten


Von Hannes Bode *


Seit Monaten berichten die Medien über den ‚Fall Khorchide‘, die Auseinandersetzung zwischen sogenannten Islamverbänden auf der einen und islamischen Theologen und Uni Münster auf der anderen Seite. Der Streit war mit der Veröffentlichung eines im Auftrag des „Koordinationsrates der Muslime (KRM)“ erstellten „Gutachtens“ über ein populärwissenschaftliches Buch Khorchides eskaliert – im Schatten des Gutachtens wurde verbreitet, Khorchide würde den Rahmen islamischer Theologie verlassen haben, eine Behauptung, die durch das Gutachten nicht gestützt wird. Drei Punkte verdienen in diesem Zusammenhang Beachtung: 1. die argumentative Schwäche des Gutachtens, 2. die der Auseinandersetzung eigentlich zugrundeliegende Bemühung der Islamverbände, im Namen „der Muslime“ Einfluss zu erhalten, und 3. die Tatsache, dass die Verbände dabei in einem identitätslogischen Diskurs die Aussagen antimuslimischer Rassisten spiegeln und an der Konstruktion des Anderen, des ‚Kollektivsubjekts Muslim‘ teilhaben.

Das grundlegende Problem des Gutachtens ist die Vermengung von drei unterschiedlichen Bereichen: die Frage ‚säkularer‘ religions- oder textwissenschaftlicher Methoden, die Frage islamischer Methoden im Sinne der religiösen Islamwissenschaften sowie die Frage des Glaubens und der Religiosität, d.h. des Verhältnisses der Einzelnen zu Gott. So wird erklärt, „die propagierte ‚Theologie der Barmherzigkeit‘“ beruhe „überhaupt nicht auf einer eindeutig identifizierbaren wissenschaftlichen Methode – weder einer der Islamwissenschaft entnommenen Methode, noch einer der Christlichen Theologie entnommenen Methode und erst recht keiner eigenständig entwickelten, der Islamischen Theologie dienlichen Methode“. Eine theologische Reflexion auf die im sakralen Text des Koran dominierende Idee der Barmherzigkeit (rahma) des „Allerbarmers“ (al-rahman al-rahim) kann aber nicht auf Methoden der Islamwissenschaft beruhen – die Islamwissenschaft als Religionswissenschaft blickt kritisch auf eine Sammlung von Texten und erforscht, warum und wie Menschen sich zu verschiedenen Zeiten eine Vorstellung von Göttern oder einem Gott gemacht haben. Ein Islamwissenschaftler würde in Bezug auf die arabo-islamische Vergangenheit sicherlich keine „Geschichte der Barmherzigkeit“ schreiben. Khorchide, ein gläubiger Muslim, betrachtet den Koran jedoch nicht historisch-kritisch und distanziert als ‚Quelle‘, sondern als Fundament seiner Beziehung zu Gott, was für die Verbände eigentlich kein Kritikpunkt sein dürfte. Auch der Vorwurf des Ignorierens christlich-theologischer Traditionen geht ins Leere – doch widerspricht sich das Gutachten selbst, wenn es einmal ihre Nichtverwendung und ein paar Seiten weiter wiederum ihre angebliche Verwendung kritisiert. Seine Ideen sind zudem keineswegs ‚neu‘ oder ‚fremd‘, vielmehr knüpfen sie an Debatten der arabo-islamischen nahda des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie an ‚Reformer‘ des späten 20. Jahrhunderts an, und haben durchaus auch Vorläufer in der ‚islamischen‘ Geschichte der Pluralität und Ambiguität.

Im Gutachten wird die Unfähigkeit deutlich, das Wesen der theologischen Arbeit zu erfassen, die auf den sakralen Text und auf Gott bezogenen ist. Vielmehr handelt es sich um einen eindeutig ‚säkularen‘ Wissenschaftstext, der – in Teilen widersprüchlich – ein Sammelsurium an überwiegend textkritischen Argumenten gegen eine Idee in Stellung bringt, die ihrerseits auf der gläubigen Reflexion eines Theologen auf Basis einer holistischen Koranexegese beruht. Dass ihm so ‚Unwissenschaftlichkeit‘ unterstellt wird, um ihn dann aber aus einer ‚islamischen‘ Position heraus als ‚unislamisch‘ bzw. ‚ungläubig‘ zu diskreditieren, ist paradox.

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Fethullah Gülen - Geschichte und Analyse

Fethullah Gülen beim Papst 1998


Wer hätte das gedacht? Nun eskaliert der schon seit einigen Jahren schwelende innermuslimische Disput in der Türkei zwischen den Anhängern des geistlichen Führers Fethullah Gülen und den AKP Politikern. Da die Informationen in den Zeitungen zu einem der weltweit einflussreichsten islamischen Prediger Fethullah Gülen naturgemäß recht spärlich sind, hier nun eine Analyse vom Türkei Experten Dr. Günter Seufert, die er noch vor der jüngsten Eskalation auf der SWP Internetseite veröffentlicht hatte. Er geht allerdings auch schon auf die Vorgeschichte der Entfremdung beider islamischer Machtblöcke seit 2010 ein.
Die Beurteilung von Gülen gestaltet sich schwierig. Man muss wohl jede Facette dieses Phänomens einzeln und differenziert betrachten. Einerseits die Positionen die er in früheren Jahren vertreten hatte, und anderseits diejenigen, die er heute hat. Einerseits die undurchsichtigen, intransparenten und geheimnistuerischen Strukturen, andererseits die guten Taten von vielen Anhängern an der Basis der Bewegung. Einerseits die Ziele und die Mittel zur Durchsetzung der Ziele in der Türkei, andererseits die in der Diaspora. Dabei gibt es eher weniger differenzierte Untersuchungen, entweder wird Fethullah Gülen verherrlicht oder verdammt. Daher nun diese Studie als PDF, die ein wenig Licht ins Dunkel bringen kann, ohne kritische Fragen auszublenden, aber auch nicht in islamophobe Panik bei der Beurteilung zu verfallen.



SWP-Studie
Stiftung Wissenschaft und Politik
Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit

Günter Seufert
Überdehnt sich die Bewegung von Fethullah Gülen? 
Eine türkische Religionsgemeinde als nationaler und internationaler Akteur 
Dezember 2013 Berlin

Hier nun ein Auszug, der der Frage nachgeht:  NGO - Netzwerk, Religionsgemeinde oder politischer Geheimbund?

Gülen und seine Anhänger: Versuch einer
Bestimmung
NGO
-
Netzwerk, Religionsgemeinde oder
politischer Geheimbund?
Als Reaktion auf Kritik an mangelnder Transparenz
gesteht die Gülen-Bewegung seit etwa zwei Jahren zu,
dass sie mehr ist als eine Reihe nebeneinander existie-
render Institutionen. In internationalen Publikationen
bezeichnet sie sich mittlerweile als »Gesellschaft«
(society) und weist gleichzeitig den Begriff »Gemeinde«
(community/cemaat) für sich zurück. Die Selbstdefini-
tion als Gesellschaft dient zwei Zwecken: Erstens will
die Bewegung damit suggerieren, es gebe keine feste
Mitgliedschaft (und damit auch keine feste innere
Struktur) und keine Abgrenzung nach außen. Zwei-
tens soll der Eindruck erweckt werden, die eigene
(ethische und politische) Orientierung decke sich voll-
kommen mit den Orientierungen des Mainstreams der
türkischen Gesellschaft, man repräsentiere diese und
gehe gleichzeitig in ihr auf. 108  In der aktuellen Selbst-
darstellung einer Institution des Netzwerks, in der der
Vorwurf zurückgewiesen wird, man verfolge eigen-
nützige politische Ziele, heißt es, man sei eine »demo-
kratische, zivilgesellschaftliche Bewegung«. 190
Von Religion ist in keiner der beiden angeführten Schlüssel-
dokumente die Rede. Tatsächlich spielen Missionie-
rung oder auch nur der Unterricht von Religion in den
offiziellen Institutionen der Bewegung keine Rolle. 
Die Bewegung macht jedoch gleichzeitig kein Hehl
daraus, dass ihre zivilgesellschaftlichen Aktivitäten
aus einem religiösen Antrieb heraus erfolgen. Die
entsprechenden Überlegungen ihres Spiritus Rector
dazu werden offen vorgetragen, und es ist kein Ge-
heimnis, dass die große Zahl der in Schulen und
Vereinen arbeitenden Ehrenamtlichen, aber auch die
Lehrer, die der Bewegung angehören, ihr pädagogi-
sches Engagement als gottgefälliges Handeln per se
verstehen. Gleichzeitig lässt sich feststellen, dass die
Aktivisten von einem starken Gefühl der Zugehörig-
keit zur Bewegung und der Loyalität mit ihr erfüllt
sind. Darüber hinaus ist ein gemeinsamer Habitus der
Gefolgsleute Gülens nicht zu übersehen.
Wo aber bilden sich diese Merkmale heraus? Als
Antwort darauf wird meist auf die Wohngemeinschaf-
ten der Bewegung verwiesen, die auf die Frühzeit von
Gülens Wirken zurückgehen und »Lichthäuser«
genannt werden. Ihr Alltag ist durch strikte Verrich-
tung der Ritualgebete, repetitives Gottesgedenken,
Koranlesen und die Lektüre von Schriften Gülens
gekennzeichnet. Hinzu kommen soziale Kontroll-
mechanismen, die das Verhalten der Aktivisten prägen
sollen, wie zum Beispiel Gruppendiskussionen und
das Gebot der gegenseitigen Übernahme von Verant-
wortung für das Handeln des jeweils anderen WG-Mit-
glieds. All dies führt zu einer Verstetigung von intel-
lektuellen, emotionalen und handlungsleitenden
Dispositionen, die den genannten Habitus hervor-
bringen. 111  Gülen selbst sieht in den Wohngemein-
schaften den dynamischen Kern seiner religiösen
Gemeinde. Deren ganze Energie soll nach ihm auf
weiteres Wachstum gerichtet sein und – als Fernziel –
auf die Versittlichung der Gesellschaft, was in Gülens
Denken im Hinblick auf die muslimischen Länder mit
einer zivilgesellschaftlichen Re-Islamisierung zusam-
menfällt. Um den Einzelnen zum »Soldaten des Lichts«
zu machen, der all sein Trachten auf diese Aufgabe
richtet, gelte es, die »leeren Köpfe« einer »nach inhalts-
losen Schablonen lebenden Generation« mit den Wahr-
heiten des Glaubens zu füllen. 112
Die Anhänger der Bewegung sind davon überzeugt,
dass sie einen offenbarten göttlichen Auftrag erfüllen
und beziehen sich dabei auf einen Ausspruch des
Propheten (Hadith), mit dem dieser auf die Frage nach
seinen treuesten Gläubigen Folgendes geantwortet
habe: »Meine aufrichtigsten Gefolgsleute befinden sich
nicht hier bei mir. Sie werden in einer Zeit hervor-
treten, in der der Islam von innen und von außen
angegriffen wird. Es werden ihre Tugend und ihr
mustergültiges Verhalten sein, die die Botschaft Gottes
stärken.« 113  Gülen gilt seinen Anhängern deshalb als
der erwartete Erneuerer des Glaubens, 114  und vielen
sind sein Wissen und seine Predigten Ausdruck gött-
licher Inspiration. 115
Die innere Struktur der Religionsgemeinde kann
man sich als eine Reihe konzentrischer Kreise vor-
stellen. 116  


Mittwoch, 27. November 2013

Rabia







Ein Artikel aus der EI² via A.I.M.... ;)

Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Ḳaysiyya
[von Margaret Smith; überarbeitet von Charles Pellat]
___________________________

Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Ḳaysiyya (a double nisba because she was attached to a family, the Āl ʿĀtik, of ʿAdī b. Ḳays (of Ḳurays̲h̲; see Ibn al-Kalbī-Caskel, tab. 35)), famous mystic and saint of Baṣra.

One cannot go so far as to throw into doubt her historical existence, but the traditions about her life and teachings include a very large proportion of legend which today can hardly be distinguished from authentic information. With this qualification borne in mind, one may nevertheless be permitted to present a portrait of the saint as it was conceived by her coreligionists over the course of the centuries.

She is said to have been born in 95/714 or 99/717-18 and to have breathed her last at Baṣra in 185/801, where her tomb was shown outside the city (see al-Harawī, Ziyārāt , ed. and tr. J. Sourdel-Thomine, 81/88). In the evolution of Ṣūfī mysticism, she became one of the three most famous female mystics of Baṣra, the two others being Muʿād̲h̲a al-ʿAdawiyya, wife of the “ascetic” ʿĀmir b. ʿAbd al-Ḳays al-ʿAnbarī [q.v.], and a certain Umm al-Dardāʾ (see Pellat, Le milieu baṣrien , 104).

Born into a poor home, she was stolen as a child and sold into slavery (she is even sometimes made into a ḳayna [q.v.]), but her sanctity secured her freedom, and she retired to a life of seclusion and celibacy, at first in the desert and then in Baṣra, where she gathered round her many disciples and associates, who came to seek her counsel or prayers or to listen to her teaching. These included ʿAbd al-Wāḥid b. Zayd (d. 177/793; see Pellat, Milieu , 102-3 and index), Mālik b. Dīnār [q.v.], the ascetic Rabāḥ al-Ḳaysī, the traditionist Sufyān al-T̲h̲awrī [q.v.] and the Ṣūfī S̲h̲aḳīḳ al-Balk̲h̲ī. Her life was one of extreme asceticism and otherworldliness. Asked why she did not ask help from her friends, she said, “I should be ashamed to ask for this world’s goods from Him to Whom they belong, and how should I seek them from those to whom they do not belong?” (it should be noted that al-D̲j̲āḥiẓ, more conscious of the neatness of this reply than of its deeper sense, cites it at least twice (in Ḥayawān , v, 589, and Bayān , iii, 127) and does not mention any other details concerning Rābiʿa, which seems to show that, in the 3rd/9th century, the legend around her had not yet totally crystallised. On the other hand, this tradition, perhaps authentic, is contradicted by a piece of evidence according to which she possessed a k̲h̲ādim/k̲h̲ādima and by the mention, in al-Ḥusaynī, of another saint called Maryam al-Baṣriyya, her servant and disciple, to whom she had communicated her doctrine of pure love, ʿilm al-maḥabba ).

To another friend she said, “Will God forget the poor because of their poverty or remember the rich because of their riches? Since He knows my state, what have I to remind Him of? What He wills, we should also will.” Miracles were attributed to her as to other Muslim saints. Food was supplied by miraculous means for her guests, and to save her from starvation. A camel, which died when she was on pilgrimage, was restored to life for her use; the lack of a lamp was made good by the light which shone round about the saint. It was related that when she was dying, she bade her friends depart and leave the way free for the messengers of God Most High. As they went out, they heard her making her confession of faith, and a voice which responded, “O soul at rest, return to thy Lord, satisfied with Him, giving satisfaction to Him. So enter among My servants into My Paradise” (sūra LXXXIX, 27-30). After her death, Rābiʿa was seen in a dream and asked how she had escaped from Munkar and Nakīr [q.v.], the angels of the tomb, when they asked her, “Who is your Lord?”, and she replied, “I said, return and tell your Lord, ‘Notwithstanding the thousands and thousands of Thy creatures, Thou hast not forgotten a weak old woman. I, who had only Thee in all the world, have never forgotten Thee, that Thou shouldst ask, Who is thy Lord?’”

Samstag, 6. Juli 2013

Sollten sich "anständiger Bürger" wegen der Überwachung sorgen?

Ein sehr interessanter Erfahrungsbericht, was im Zusammenspiel von Feindbildern und Vorurteilen die schon jetzt übliche Überwachung jedes einzelnen Bürgers für Folgen haben kann. Inklusive Einblicke in die Arbeitsmethoden etlicher Medien. Zitiert aus Dr. Michael Blume Scilogs Blog:

"

Sollten sich "anständiger Bürger" wegen der Überwachung sorgen? – Ein Erfahrungsbericht aus den Schattenkriegen

von Michael Blume, 06. Juli 2013, 13:52

Wir sollen uns doch bitte nicht so aufregen. Vor ein bisschen Überwachung und ausufernden Sicherheitsbehörden hätten "anständige Bürger" doch gar nichts zu befürchten. Wir sollten doch laut Sylvia Braun auf FOCUS.de einfach einsehen, dass "es gut ist, bestimmte Daten der User im Netz zu speichern." Wenn es beim Fangen von Terroristen und Kriminellen hilft, sollte es uns doch Recht sein! Und es übertreiben halt mal wieder die USA, vielleicht auch Chinesen und Russen – aber wir feinen Europäer doch nicht. So klingt es beschwichtigend in vielen Texten und Gesprächen in diesen Tagen und es ist klar: in wenigen Wochen werden wieder andere Themen die Medien und Politikforen dominieren.
 
Manchmal, wenn ich dieses leichtfertige Verspielen unserer Bürgerrechte nicht mehr aushalte, erzähle ich von dem, was ich selbst erlebt habe. Und das will ich, aus Respekt vor dem Mut von Edward Snowden, heute erstmals auch online tun.
 
Es geschah im Jahr 2003 – wie inzwischen aufflog, zog damals der NSU auch nach allerlei Hinweisen unbehelligt von Sicherheitsbehörden mordend durch die Republik und den Südwesten und ein Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg warnte eine Zelle des Ku-Klux-Klans vor einer anstehenden Polizeiaktion. Statt dieser und anderer Extremisten bekam ich das "Vergnügen" der "Aufmerksamkeit" von Akteuren, die doch angeblich unsere Sicherheit und Verfassung beschützen.
 
Ich war damals Mitte 20 und darf wohl behaupten, so ziemlich das Musterbeispiel eines „anständigen Bürgers“ abgegeben zu haben: Abiturient und Scheffelpreisträger mit blütenweißem Führungszeugnis, aktiv als Orts- und Kreisvorstand der Jungen Union, ehemaliger Jugendgemeinderat sowie gewählter Jung-Stadtrat (CDU) in meiner Heimatstadt Filderstadt. Hinzu kam eine Finanzausbildung mit Auszeichnung („Spitzenazubi“) bei der Landesbank Baden-Württemberg, gefolgt von einem Studienstipendium der Begabtenförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Ich war (und bin) praktizierender Christ in der evangelischen Landeskirche, Gründungsvorsitzender einer jungen, interreligiösen Initiative aus Christen, Muslimen und Juden, Magister der Religions- und Politikwissenschaft in Tübingen, jung verheiratet mit einer Deutsch-Türkin und frisch Vater einer süßen Tochter. Auch, dass ich die Welt nur in rosarot gesehen hätte, lässt sich schlecht behaupten: Die Bilder von den Flugzeugattentaten des 11. September 2001 erreichten mich an der Evangelischen Akademie Bad Boll, in der wir gerade eine Sommerakademie vorbereiteten mit dem Titel: „Christen und Muslime – Gemeinsam Gewalt verhindern“. Und dann hatte ich mit einer Ausarbeitung über „Heimat und Identität“ auch noch einen 3. Preis des Bundesministerium des Inneren gewonnen; die vom damaligen Minister Otto Schily (SPD) unterzeichnete Urkunde bewahre ich bis heute auf.
 
Über diese Auszeichnung hatte der damalige baden-württembergische Staatsminister Dr. Christoph Palmer (CDU) in der "Stuttgarter Zeitung" gelesen – und so bekam ich einen Anruf seines Büros, ob ich nicht Lust und Zeit hätte, mit dem mir bis dahin persönlich unbekannten Minister einen Kaffee zu trinken. Natürlich hatte ich! Nach einem ausführlichen, intensiven und guten Gespräch kam er zur Sache: Es mache ihm Sorgen, dass es bislang in der Landesverwaltung praktisch nur Islamexperten aus dem Sicherheitsbereich gebe; aber noch keinen zivilgesellschaftlichen Dialog mit der großen, friedliebenden Mehrheit der Muslime. Wann ich denn mit dem Studium fertig sei?
 
Und so trat ich also 2003 meine erste, halbe und befristete Stelle an – überglücklich und noch überhaupt nicht ahnend, dass ich damit Interessengruppen in den Weg geraten war, die es gar nicht toll fanden, dass ein „ziviler Grünschnabel“ und „Moslemversteher“ ihre Pfründe bedrohen könnte. Ich war insofern tatsächlich "naiv", dass ich meinte, jede(r) müsse Dialog, Verständigung und den Abbau von gegenseitigen Vorurteilen und Ängsten doch letztlich gut finden. Nun sollte ich auf die harte Tour lernen, dass ganze Institutionen und Karrieren auch genau von Ängsten leben!
 
Während ich also noch völlig ahnungslos meinen Arbeitsbereich aufbaute, begannen "Kollegen" der Sicherheit schon auf eigene Faust "belastendes" On- und Offlinematerial (einschließlich eMails) zusammen zu tragen und schließlich Journalisten sowie Oppositionsabgeordnete damit „zu füttern“. Ich weiß bis heute nicht, auf welcher Rechtsgrundlage diese Leute überhaupt gegen einen unbescholtenen Mitarbeiter "ermittelten" - und dann Auswahlen ihrer "Funde" auch noch weitergaben! Nun, sie taten es einfach - und eröffneten damit die Jagd.
 
Ich werde nie den Anruf eines Journalisten von den „Stuttgarter Nachrichten“ vergessen, in dem mich dieser allen Ernstes fragte, ob ich ihm denn „beweisen“ könne, Christ zu sein – schließlich sei ich „doch mit einer Muslimin verheiratet“. Ob ich nicht zugeben wolle, „heimlich konvertiert“ und in die Landesverwaltung „eingeschleust worden“ sei? Ob ich denn "ausschlien könne", dass ein muslimischer Freund "Mitglied bei Milli Görüs war oder noch ist?" (War er nie - aber da schlucken Sie erstmal...) Ob meine Frau eigentlich Kopftuch trägt? (Nein. Und wenn?)
.
Immerhin: Seitdem kann ich existentiell nachvollziehen, was es für religiöse Minderheiten bedeutet, von Verschwörungstheorien eingedeckt zu werden...
 
In einem großen – inzwischen vom Netz genommenen – Artikel mit bedrohlich inszeniertem Foto wurde ich sodann zum „umstrittenen Islamberater“ ernannt, gestützt auf Verfassungsschutzquellen, die sich verächtlich über mein interreligiöses Engagement, meine Magisterarbeit und meine mutmaßliche „Naivität“ im Umgang mit Muslimen ausließen. Auch der Verweis auf meine „türkische Ehefrau“ durfte selbst in "seriösen" Zeitungen damals nicht fehlen. (Dass auch sie in Deutschland geboren und längst deutsche Staatsbürgerin war, ihr Abi an einem katholischen Gymnasium gemacht hatte etc. interessierte dabei naturgemäß überhaupt nicht. Mit "türkischer Ehefrau" wurden die entsprechenden Bilder beschworen - und eine Prise Rassismus macht so eine Story ja nur noch würziger. Vergleiche: "Dönermorde"...)
.
Weitere Zeitungen wie die rechtsgerichtete „Junge Freiheit“ – Storytitel: „Mit Allah in die Staatskanzlei“ - und die türkisch-kemalistische „Cumhurriyet“ stiegen begeistert ein. Obskure deutsche und türkische „Journalisten“ tauchten auch bei uns daheim auf und boten an, mich zu „beschützen“, wenn ich ihnen nur „mehr Material“ gäbe. Äußerte ich mich nicht, so wurde mir das negativ ausgelegt ("...verweigerte jede Auskunft."). Äußerte ich mich, nicht weniger. ("...stritt alles ab.") Wir erhielten Drohanrufe und –mails, so dass wir die Polizei einschalten und eine nichtöffentliche Telefonnummer beantragen mussten. Der Abgeordnete Stephan Braun (SPD) assistierte mit einer Landtagsanfrage zum „Fall Michael B.“, die zur Diskussion meiner Magisterarbeit im Landtag führte.
 

Donnerstag, 12. Juli 2012

Beschneidung - 1. Teil

Zirkumzision eines Jungen (Zentralasien, vermutlich Turkmenistan,
etwa 1865–1872, restaurierter Albuminpapierabzug)
Das Thema Beschneidung, auch Zirkumzision genannt, ist ja dieser Tage in aller Munde. Dabei vermisse ich jedoch einige Aspekte, die ich hier etwas näher beleuchten möchte. Nämlich, was sagen eigentlich die islamischen Quellen zur Beschneidung? Ich kenne es vor allem als türkisch-hanefitischen Brauch. Der als selbstverständlich gilt. Aber gilt diese Betrachtungsweise auch weltweit? Und in jeder zurückliegenden Epoche? Was sagen eigentlich die Gelehrten in der 1400-jährigen Geschichte des Islams? Sprachen alle mit einer Stimme, oder gab es auch mal exegetisch begründeten Dissenz? Und wie schaut der Ritus in den diversen Ländern aus? Gibt es da Unterschiede, und wenn ja, warum? Ist der Ritus festgelegt? Wie entwickelte sich die Beschneidung, und woher kam sie? Gibt es Spielräume in der Interpretation, oder ist alles sehr eindeutig? Ist es eher islamisch festgelegt, oder kommt hier eine Tradition stärker zum Tragen?

Und wie schaut es mit der weiblichen Beschneidung aus? Kommt mir nun nicht damit, man könne nicht die weibliche mit der männlichen Beschneidung vergleichen (wie es einige Rechtspopulisten gerne tun). Denn vergleichen, heißt nicht (zwangsläufig) gleichsetzen. Man kann sich beide Argumentationsmuster sehr wohl anschauen, wie sieht bei beiden die Legitimationsgrundlage aus, so wie man die heutige Islamfeindlichkeit selbstverständlich mit dem Antisemitismus früherer Jahrhunderte vergleichen kann, um zum Beispiel ähnliche Strukturen zu erkennen.
Wenn die weibliche Beschneidung heutzutage immer weiter zurückweicht, auch mithilfe von einflussreichen Gelehrten samt ihren Fatwas in der arabischen Welt, auch mithilfe von westlichem Druck durch Nichtregierungsorganisationen oder einzelnen Personen wie Rüdiger Nehberg, wie sieht es dann mit der Interpretation der Quellen bei der männlichen Beschneidung aus, wenn also zum Beispiel auf einen Hadith verwiesen wird, dass die männliche Beschneidung geboten ist, aber in dem Hadith auch steht, dass das auch für die Mädchen gilt, wieso wird dann eine Passage für ungültig, die andere jedoch weiterhin für gültig erklärt?
Wie werden Muslime gesehen, die sich nicht beschneiden, wie zum Beispiel die chinesischen Muslime? Sind das dann Sünder? Oder halbe Muslime? Und wie sieht es mit dem Alter aus? Gäbe es da Spielräume, oder ist ein Alter genau festgelegt?
Und wie sieht es eigentlich mit den anderen in Hadithen genannten Anweisungen aus? Wenn zum Beispiel die Beschneidung in einem Atemzug mit der Achselhaar-Entfernung genannt wird, wieso legen Muslime auf das eine sehr viel wert, und auf das andere weniger?

Übrigens, die in der Diskussion vorgebrachten "rationalen" Gründe für eine Beschneidung, halte ich für nicht zielführend. Also zum Beispiel die Argumentation mit der Gesundheitsvorsorge, oder den positiven Effekten für das Liebesleben, oder hygienische Vorteile, usw. Denn das setzt Gottes Wille auf eine (menschliche) Stufe herab, als müsste Gott irgendwas rechtfertigen, als würden nur diejenigen Gebote gelten, die wir auch "verstehen" können. Nein, solche Argumentationen für die Beschneidungsgegner gedacht, beraubt Gott seiner transzendenten Eigenschaft, macht aus Gott letztlich nur einen einfachen Ratgeber-Knigge für gutes Leben... Gott hätte auch den Genuss von Lollis verbieten können, und die Muslime hätten es zu akzeptieren, ohne zu versuchen, dieses irgendwie "logisch" herleiten zu wollen, und sich damit anzumaßen, Gottes Beweggründe zu ergründen. Denn mit dem Vorbringen von "rationalen" Rechtfertigungen für ein Gebot Gottes, macht man sich in Diskussionen gleichzeitig auch immer angreifbarer, denn Studien könnten falsch interpretiert worden sein, die man für seine Begründung heranzog, oder neuere Studien führen zu neuen Erkenntnissen, und so weiter. Somit gelangt man gleich auf das Glatteis, dass dann die Diskussionsgegner fragen, ob denn Gott dieses nicht gewusst habe, er sei doch allwissend, allmächtig, usw.? Diese muslimischen Argumentationsmuster findet man überall, doch sind diese Muster westliche Muster, und man sollte sich nicht auf diese rationale Ebene begeben, um seinen Glauben zu rechtfertigen, also zum Beispiel das Verbot von Schweinefleisch als vermeintlich schädlich für den Menschen "logisch" begründen zu wollen. (Es gibt nämlich noch mehr als Schweinefleisch, was man eigentlich nicht verzehren sollte, was kaum bekannt ist, und man kann eben nicht alles (vielleicht auch nur das wenigste), was Gott dem Menschen aufgetragen hat, rational mit menschlichen Maßstäben erklären.) Ich glaube, ihr versteht, was ich mit diesem Absatz ausdrücken wollte.

Falls es jemand interessiert, obwohl es nichts zur Sache tut, da man solche obigen Fragen als Gegner und als Befürworter gleichermaßen stellen könnte: Ich stehe Beschneidungen positiv gegenüber, und sehe hier das Erziehungsrecht der Eltern als vorrangig an. Es gibt andere ebenso "einschneidende" Erziehungsmaßnahmen, die irreversibel sind, und wo will man da anfangen, wo aufhören?

Es gibt also genügend Fragen, die teilweise hier beantwortet werden. Bei anderen müsste man sich nochmal genauer in die Quellen stürzen, aber man hat nun einen Anhaltspunkt, welche dafür relevant sind, und welche weiteren Bücher es dazu noch so gibt.

Wer in den Hadithen selber etwas stöbern möchte, dem sei diese einigermaßen seriöse Sammlung zu raten.

Englische Übersetzungen der großen Hadith-Sammlungen beim Center for Muslim-Jewish Engagement der University of Southern California


Ich fange mal mit einem Zitat des entsprechendem Artikels aus der renommierten Encyclopaedia of Islam in der 2. Auflage an, die als autoritativ gilt, und islamwissenschaftlich die Dinge betrachtet (wie übrigens alle ersten drei Artikel). Diese Enzyklopädie ist so angesehen, dass diese als Islam Ansiklopedisi auch ins türkische übersetzt und erweitert wurde. Übrigens wirkten auch Muslime an deren Erstellung mit. Der folgende Artikel ist vermutlich Mitte der 1970er Jahre aktualisiert worden. Damit mag er teilweise veraltet sein, sofern er sich auf die Gegenwart beziehen sollte. Ansonsten, exegetisch eher nicht. Übrigens gibt es manchmal einen Vorteil, ältere Artikel zu bestimmten Islam-Themen zu lesen, denn mitunter werden dort noch Dinge (ggf. offener) geschildert, wie der Islam dies und jenes sieht, oder zu einem bestimmten Jahrhundert gesehen hat, ohne dass vielleicht etwas "beschönigt" oder weggelassen wird, weil es vielleicht heutzutage nicht mehr "politisch korrekt" erscheint, oder die Autoren keine "Gefühle negativ berühren möchten". Zum Beispiel das Thema Sklaverei, oder Mädchenbeschneidung, oder Heiratsalter von Fatima, oder andere kontroverse Themen, wo heutige Islamwissenschaftler sich meist eher sehr defensiv verhalten, wissen sie doch, wie solche Themen durch Islamhasser ausgeschlachtet werden. Und daher diese "heißen Eisen" eher meiden, leider, und dadurch jenen das Feld überlassen, die sich selbst "Islamkritiker" nennen. Naja, ich schweife ab...

Wie üblich, habe ich einige Sätze für die Diagonalleser markiert, ausserdem einiges markiert, damit man auf einen Blick erkennt, welche Region gerade beschrieben wird.

Wer nicht alle Artikel lesen möchte, der findet je nach Zeit die man zur Verfügung hat, unterschiedlich lange Artikel, die alle empfehlenswert und interessant sind, auch wenn einiges sich wiederholt. Lediglich der letzte Artikel ist nur denen Islaminteressierten zu empfehlen, die sich wirklich alles durchlesen wollen, da dort der Islam nicht speziell behandelt wird, sondern das Phänomen Beschneidung als Ganzes betrachtet wird, also auch bei "Naturvölkern", und der Islam dort nicht der Schwerpunkt ist.
KHITÂN (a.), circumcision.

The term is used indifferently for males and females, but female excision is particularly called khifâd or khafd [q.v.]. In the dual, al-khitânâni are “the two circumcised parts” (viz. that of the male and that of the female), and according to tradition “If the two circumcised parts have been in touch with one another, ghusl is necessary” (Bukhârî, Ghusl , bâb 28; Muslim, Hayd , trad. 88; Abû Dâwûd, Tahâra , bâbs 81, 83).
Some words connected with the root kh-t-n denote the father-in-law, the son-in-law, the daughter-in-law (khatan, khatana), or marrying (khutûna). Some of these words must have belonged to the primitive Semitic language, as they occur also in the same or cognate forms in North-Semitic languages.
Circumcision must have been a common practice in early Arabia. It is mentioned, not in the Qur'ân, but in old poetry and hadîth , and the ancient language also has special words for “uncircumcised”, sc. alkhan, aqlaf, aghlaf and aghral (Hebrew 'arel).
In hadîth it is said that Ibrâhîm was circumcised in his 80th year (Bukhârî, Anbiyâ', bâb 8; Muslim, Fadâ'il , trad. 151). This tradition is based on the Biblical report. Ibn Sa'd has preserved a tradition according to which the patriarch was already circumcised at the age of 13 ( Tabaqât , i/1 24). This tradition is apparently a reflex of the practice of circumcision in the first centuries of Islam. We may confront it with the statements concerning Ibn 'Abbâs' circumcision in hadîth . According to some traditions (Ahmad b. Hanbal, i, 273) he was 15 years old when Muhammad died. In other traditions it is said that he was already circumcised at that time (Bukhârî, Isti'dhân, bâb 51; Ahmad b. Hanbal, i, 264, 287; Tayâlisî, Nos. 2639, 2640).
Circumcision is mentioned in hadîth in the story of the Emperor Heraclius' horoscope (Bukhârî, Bad' al-wahy , bâb 6). Heraclius read in the stars the message of “the king of the circumcised”. Thereupon an envoy of the king of Ghassân arrived who reported the news of Muhammad's preaching of Islam. This envoy appeared to be circumcised himself and he informed the Emperor of the fact that circumcision was a custom prevalent among the Arabs.

It is further recognised in hadîth that circumcision belongs to pre-Islamic institutions. In the traditions which enumerate the features of natural religion ( al-fitra ), circumcision is mentioned together with the clipping of nails, the use of the toothpick, the cutting of moustaches, the more profuse length of the beard etc. (Bukhârî, Libâs , bâb 63; Muslim, Taharâ, trad. 49, 50; Tirmidhî, Adab , bâb 14, etc.). In a tradition preserved by Ahmad b. Hanbal (v, 75) circumcision is called sunna for males and honourable for females.

There are differences between the several madhhab's concerning rules for circumcision. Instead of giving a survey of the different views it may be sufficient to translate the passage al-Nawawî in his commentary on Muslim, Tahâra , trad. 50 (ed. Cairo 1283, i, 328) has devoted to the subject, also because it contains a description of the operation:
“Circumcision is obligatory ( wâdschib ) according to al-Schâfi'î and many of the doctors, sunna according to Mâlik and the majority of them. It is further, according to al-Schâfi'î, equally obligatory for males and females. As regards males it is obligatory to cut off the whole skin which covers the glans, so that this latter is wholly denudated. As regards females, it is obligatory to cut off a small part of the skin in the highest part of the genitals. The sound ( sahîh ) view within the limits of our school, which is shared by the large majority of our friends, is that circumcision is allowed, but not obligatory in a youthful age, and one of the special views is that the walî is obliged to have the child circumcised before it reaches the adult age. Another special view is, that it is prohibited to circumcise a child before its tenth year. The sound view according to us, is that circumcision on the seventh day after birth is mustahabb (recommendable), Further, there are two views regarding the question whether in the 'seventh day' the birthday is included or not”.
The treatment of circumcision has not a prominent place in the books of law (see e.g. al-Qayrawânî, Risâla , 161, 305). More important, however, is the value attached to it in popular estimation. “To the uneducated mass of Muslims” says Snouck Hurgronje “as well as to the great mass of non-Muslims, both of whom pay the greatest attention to formalities, abstention from pork, together with circumcision, have even become to a certain extent the criteria of Islam. The exaggerated estimation of the two precepts finds no support in the law, for here they are on the same level with numerous other precepts, to which the mass attaches less importance(De Islam , Baarn 1912, 30; Verspr. Geschriften, i, 402; cf. iv/1, 377). In Java circumcision is generally considered as the ceremony of reception into Islam and therefore sometimes called njelamakéselam (“rendering Muslim”). Apart from this term many other words denoting circumcision are used on Java (op. cit., iv/1, 205-6). In Atcheh circumcision of infidels only is considered as the ceremony of reception into Islam (Snouck Hurgronje, The Achehnese, i, 398).