Donnerstag, 5. Januar 2012

Assassin's Creed Revelations - Hintergrundgeschichten - Konstantins-Säule, Çemberlitaş, Kleine Hagia Sophia

Eines der Highlights von Assassin's Creed Revelations: Man klettert in der
berühmten Hagia Sophia herum

Wenn ein Blog sich sehr mit der osmanischen Geschichte auseinandersetzt, dann ist es natürlich naheliegend, sich mal das neueste Computerspiel Assassin's Creed Revelations unter historischen Aspekten genauer anzuschauen.
Dieses möchte ich hiermit in einer losen Folge von Postings tun, mit dem Schwerpunkt auf einige der Gebäude die im Spiel vorkommen.
Wie werden diese im Spiel dargestellt, wie sehen sie in Wirklichkeit aus, gibt es etwas interessantes über sie zu erzählen? Ich vergleiche also die Computergrafik der Gebäude im Spiel mit der Realität.

Wie sieht es überhaupt mit der Historizität im Spiel aus? Also könnte man das Spiel im Geschichtsunterricht eventuell nutzen um sein historisches Wissen zu mehren, oder ist zuviel einfach ausgedacht oder verfälscht, oder wichtiges weggelassen, so dass ein schiefer und historisch unkorrekter Eindruck entsteht?
Auf letzteres werde ich im Übrigen nur kurz eingehen.
Bei den Beschreibungen der Gebäude werde ich auf die Wikipedia in dem Fall zurückgreifen, wo deren Artikel einigermaßen korrekt sind, oder die Teile herausnehmen, die mit meiner Sekundärliteratur übereinstimmen.

Zuerst allgemeine Anmerkungen zum Spiel:
Ja, jeder, der sich für das Osmanische Reich, für die Türkei, für Istanbul interessiert, kann beruhigt zu diesem Spiel greifen, oder zumindest für ein Wochenende ausleihen. Es lässt sich relativ leicht, sogar auch als Anfänger, durchspielen. Ein Vorteil und Manko zugleich. Wenn man schon die drei Vorgänger gespielt hat, oder überhaupt mit dieser Art Computerspiel ein klein wenig vertraut ist, der empfindet den Schwierigkeitsgrad mitunter als zu leicht.

Nie wurde Istanbul detailgetreuer, liebevoller, lebendiger dargestellt.
(Zumindest kenne ich kein Computerspiel, kennt ihr eines? Bitte dann ggf. den Kommentarbereich nutzen.) Für Geschichtsinteressierte gibt es hier sogar das alte historische Konstantinopel, oder besser gesagt Ḳusṭanṭīniyye zu entdecken, wie der osmanische Name hieß (und im Spiel doch tatsächlich auch so manchmal genannt wird). Jedoch war Istanbul schon zu Zeiten der Seldschuken im 13. Jahrhundert unter diesem Namen Istanbul unter Einheimischen (also Byzantinern) bekannt.
Auf den Namen geht auch das Spiel kurz ein, indem es behauptet, es wäre nach der Eroberung unter der muslimischen oder türkischen oder osmanischen Bevölkerung (weiß nicht mehr genau, welche Bezeichnung sie verwendeten) als Istanbul bekannt. Das ist natürlich Quatsch, denn alle Istanbuler, ob griechischsprachig, armenischsprachig, turksprachig, usw. benutzten damals das Wort Istanbul (oder ungefähr "Eis tin polin") gleichermaßen, stolz und ganz selbstverständlich. Offiziell blieb der Stadtname hingegen neben vielen weiteren Namen Ḳusṭanṭīniyye, und auch Istanbul wurde unter anderem in diversen Abwandlungen in offiziellen Dokumenten verwendet. Oh, nun sind wir auch schon mitten in der Geschichte einer meiner Lieblingsstädte, neben Venedig, Rom, Hamburg, Kathmandu, usw. Und ihr ahnt schon, dass im Spiel und den Beschreibungstexten des Spieles viel zu viele Ungenauigkeiten, offenkundige Fehler, Stereotypen enthalten sind, neben ganz frei erfundenen Dingen, die natürlich diesem Spiel auch zuzugestehen sind, immerhin wird darauf auch explizit in der Einleitung des Spieles hingewiesen, sozusagen inspired by a true story.

Bevor ich zu einigen Fehlern komme, noch zuvor einige positive Dinge:
Das Spiel bringt Spaß. Das ist wohl eines der wichtigsten Dinge. Die Szenerie ist toll (trotz aller Fehler), erinnert mich ein wenig an James Bond: Liebesgrüße aus Moskau, aber mit wesentlich größeren Detailreichtum, Bewegungsfreiheit, und dem historischen Setting.
In dem ganzen Spiel wurde versucht, die Osmanen nicht mehr wie in so vielen, vielen Computerspielen als "Barbaren" oder zumindest blutrünstige Feinde (während bei den christlichen Mächten in den PC-Spieltexten kaum deren ebenso blutigen Kriege Erwähnung fanden) darzustellen. Sie wurden ein wenig "fairer" dargestellt, wenn sich auch etliche Klischees einschlichen. Es wurden auch positive Ereignisse oder Eigenschaften der Osmanen erwähnt. Insgesamt kommt das Osmanische Reich also durchaus positiv weg. Vor allem wird der Eindruck vermittelt, die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen, das "Multikulti" in Istanbul wäre etwas positives. Das Blog Oeffinger Freidenker hat dazu auch eine sehr schöne Review und Gedanken über das Spiel geschrieben.
Dennoch, wie ich oben bereits andeutete, am besten merkt man sich die Texte, seien sie nun eher positiver oder negativer Natur erst gar nicht, sondern liest stattdessen eines der kleinen Bücher in meinen Buchtipps oben. Denn es finden sich doch zu viele Fehler darin, so dass es für einen Unterricht, oder zur Bildung von historischem Basiswissen doch recht ungeeignet ist. Denn viele der in den Texten erwähnten Klischees bekommt man dann doch hinterher erst schwer wieder heraus, wie ich immer wieder in Diskussionen im Internet feststellen musste, wo manchmal eher auf Vorstellungen von Age of Empires, Total War, Europa Universalis, usw. zurückgegriffen wurde, als auf Fachliteratur, die ich in Diskussionen einbrachte.

Um einen ersten Eindruck von der liebevoll gestalteten Szenerie zu bekommen, schaut euch bitte diese Video an, wo der junge Prinz, der spätere Sultan, Süleyman euch kurz durch die Stadt führt:



Es gibt so einige Fehler, wo ich nicht nachvollziehen kann, wie die Verantwortlichen sie zulassen konnten, denn sie wären leicht vermeidbar. Dazu braucht man auch nicht unbedingt ein studierter Türkei-Experte oder ähnliches sein. Zum Beispiel verstehe ich nicht, warum die Sonne im Spiel nicht am Südhimmel verläuft, sondern am Nordhimmel ihre Bahnen zieht. Immerhin geht sie im Osten auf...
Dadurch erhalten natürlich auch die Gebäude eine Beleuchtung, die man so noch nie gesehen hat. Interessant.... :-)

Ich habe mal ein Making-of-Video gesehen, wo die Produzenten berichten, wie sie in zwei Wochen etliche Foto- und Filmaufnahmen von Istanbul machten, um sich auch vor Ort ein besseres Bild der Stadt machen zu können. Im nächsten Teil werde ich dieses längere Video mal vorstellen. Aufgrund dessen, kann ich es ehrlich gesagt kaum nachvollziehen, wie sich dennoch solch auffällige Fehler, die einem das ganze Spiel über begleiten und die ich hier in loser Postingfolge noch manchmal erwähnen werde, passieren konnten.
Hier ein etwas kürzeres Making-of-Video, was zeigt, dass auch wenn man türkischer Herkunft ist, dass keinesfalls bedeutet, dass dadurch automatisch mehr Expertentum in die Entwicklung des Spieles einfließen muss.




Ebenso bleibt ein Geheimnis, warum die Kirchen nicht "geostet", also nach Osten hin ausgerichtet sind, wie die meisten byzantinischen Kirchen in Istanbul es damals wie heute sind und waren. So sind alle Kirchen im Spiel, wie auch die Moscheen nach Südosten, nach Mekka hin ausgerichtet. Ich würde es verstehen, wenn das Strassennetz ebenso danach ausgerichtet wäre, ist es aber nicht. Es ist eher recht durcheinander, was sehr gut ein Gefühl für ein orientalisches Strassennetz vermittelt.
Die oben von innen abgebildete Hagia Sophia steht demnach auch zu schräg.

Was ich auch schade finde, ist, dass die Minarette allgemein unproportional dargestellt wurden, obwohl sie sich bei deren Nah-Design offensichtlich viel Mühe gegeben haben - z.B. mit dem Mukarnas und Stalaktitensteinmustern unterhalb der Balkone. Mit unproportional meine ich besonders die für die Fernwirkung wichtige Lage der Balkone. Diese sind meistens zu weit oben angebracht, und auch zu dick, breit, gestaltet. Auch sind viele Minarette zu hoch, so dass das harmonische Zusammenspiel von Kuppeln und Minarette im Stadtbild gestört wird. Schade, dieses hätte man leicht vermeiden können, wenn die Designer nicht so mangelnde Kenntnisse gehabt hätten.

Die Hagia Sophia - hier mit überlagertem Grundgerüst der PC-Grafik.
Leider mit viel zu weit westlich vorgelagerten Minaretten,
so dass die typische Silhouette doch arg gestört wird. Unnötig.
Was ich noch eigentlich sehr nett fand, aber letztlich doch störend war, ist, wenn der Muezzin-Ruf zum Gebet in der Stadt ertönt, z.B. bei Sonnenaufgang. Diesen hört man jedoch eher, wenn man sich erhöht über der Stadt befindet, auf einem Minarett, Turm, Dach oder so. Dann murmeln die Geräusche der Stadt zu dir hoch, und bei bestimmten Tageszeiten eben auch der Ruf der Dutzenden Muezzins, der Gebetsrufer. Nur: Hier haben die Spieleentwickler Aufnahmen des heutigen Istanbuls verwendet, und da rufen alle Muezzins mittels Mikrofonanlage, Lautsprecher und Verstärker zum Gebet. Also hört man im Istanbul des 16. Jahrhundert in diesem Spiel die Technik des 20./21. Jahrhunderts, was schon etwas merkwürdig 'rüberkommt.
Ebenso sehen zwar die zahlreichen Palmen im Spiel ganz nett aus, wachsen aber eher nicht in Istanbul. Diejenigen wenigen Palmen die heute zu sehen sind, wurden erst aufgrund des Tourismus eingepflanzt und gehen auch recht häufig im Schnee eines Istanbuler Winters ein und müssen ersetzt werden. Warum also im Spiel nicht mehr Kastanien oder Platanen, die in Istanbul häufig wachsen? Weil es dann nicht so "orientalisch" aussieht?
Naja, ich breche hier mal ab, in den nächsten Postings kommen wir wahrscheinlich zu mehr Ungereimtheiten oder Fehlern, die vermeidbar gewesen wären, hätten sie nur mal einen Turkologiestudenten, oder Kunstgeschichtsstudenten mit Schwerpunkt islamische Kunst oder einen echten Istanbulkenner vorher befragt.

Kommen wir nun zu zwei interessanten Sehenswürdigkeiten und markanten Baudenkmälern Istanbuls:

Konstantins-Säule, Çemberlitaş, Verbrannte Säule, Umgürtete Säule

Konstantins-Säule auf einer alten Postkarte, rechts davor
die abgeschnittene Kuppel des türkischen Bades Çemberlitaş-Hamam,
hinter der Säule, eine der ältesten Moscheender Stadt,
die Atik Ali Paşa Moschee


All diese Namen sind für ein Baudenkmal gebräuchlich, welches noch aus einer Zeit stammt, als Konstantinopel mitunter noch Nova Roma hieß.

Die bekannteste der großen Triumph- und Denkmalsäulen der Stadt, die Konstantin der Große im Zentrum seines großen Forums 328 errichten ließ, ist leider nur in stark veränderter und rudimentärer Form erhalten. Der verwitterte Porphyr der Säulentrommeln erforderte im Laufe der Zeit immer wieder neue Bänder und Manschetten, das erstemal bereits 418 unter Kaiser Theodosios II. Ein Sturm des Jahres 1105/06 fällte schließlich die Statue des Kaisers von ihrer Höhe samt dem Kapitell und 3 der urspr. wohl 10 Porphyrtrommeln. Unter Manuel Komnenos (1143-80) erhielt die Säule einen neuen oberen Abschluß mit der heute noch vorhandenen Kleinquadermauerung. Der zweite Vers der Erneuerungsinschrift nennt Manuel, das ist noch erkennbar. 1779 ließ Sultan Abdülhamit I. nach einem Brand den Säulenunterteil vermauern.
Die Gesamthöhe der Säule beträgt heute ca. 34,80 m. Als urspr. Höhe nimmt man ca. 50 m (= ca. 175 röm. Fuß) an. Da der untere Teil mit der barocken, knollenartigen Basis rd. 10 m hoch mit Quadern ummauert ist, sind vom alten Denkmal nur noch 6 Porphyrtrommeln mit den angearbeiteten Lorbeerkränzen sichtbar. - Grabungen in den Jahren 1929/30 haben über den Unterbau etwas Klarheit gebracht: Das Pflaster des Forums wurde in 2,33 m Tiefe gefunden. Die Säule steht auf einem großen Marmorsockel, der seinerseits wieder auf 6 Stufen ruht. Dieser Stufenunterbau und damit die gesamte Säule ist jedoch noch einmal von einer Gewölbesubstruktion in 4,60 m Tiefe unterfangen, in der man die aus Quellen bekannte Konstantins Kapelle erkennen möchte.
Hier war wohl auch der Platz der überlieferten Reliquien: des Palladiums Troias, das Aeneas nach Rom gebracht haben soll, eines Stückes der Arche Noahs, des Steines, aus dem Moses Wasser schlug, der 12 Körbe des Brotwunders Christi, der Kreuze der Schächer und des heiligen Salbgefäßes. Bereits in dieser seltsamen Zusammenstellung der Reliquien zeigt sich der Synkretismus Konstantins, noch deutlicher in der Statue, die die Säule bis in den Beginn des 12 Jh. krönte: Der Kaiser ließ sich als Apoll mit der Strahlenkrone darstellen in Analogie zu seinen Münzprägungen mit der Devise »Sol invictus« (= der unbesiegte Sonnengott). Die Tradition behauptet, in die Strahlen seien die Kreuznägel Christi eingearbeitet worden und der Globus habe ein Kreuz getragen; auch soll die Statue eine Reliquie des wahren Kreuzes enthalten haben. Doch könnte dies bereits auf eine Ersatzstatue des Kaisers bezogen werden.
aus: Marcel Restle: Istanbul. Bursa. Edirne. Iznik. Stuttgart 1976. (Reclams Kunstführer) Übrigens ein sehr gutes Buch.


Ist das nicht ein ganz erstaunliches Sammelsurium von Relikten aller damaligen Kulte?  Neben oben mit Fettdruck hervorgehobenen Gegenständen, erwähnt John Freely in seinem hervorragendem Prestel-Reiseführer Istanbul (1986) noch ein hölzernes Standbild der Pallas Athene als Schirmherrin der Stadt und das Zimmermannsbeil des Noah vom Bau der Arche. Mit diesem Sammelsurium an polytheistischen und christlichen Reliquien wollte man ähnlich wie beim Pantheon in Rom dem Glauben möglichst vieler Bevölkerungsschichten gerecht werden.


Çemberlitaş, Konstantinssäule aus
dem Stein der Kaiser: Porphyr
Hier auf der rechten Seite die Konstantinssäule in Assassin's Creed, im
Hintergrund die Hagia Sophia mit ihren vier Minaretten, wobei die viel zu weit
links platzierten Minarette historisch falsch sind, da sie erst
Sultan Murat III. Ende des 16. Jh. durch den Architekten Sinan errichten ließ.


Rekonstruktionsversuch des
ursprünglichen Aussehens
Nun wäre es natürlich interessant zu erfahren, ob noch heute Teile der Reliquien zu finden sind. Denn dann wäre Istanbul noch mehr als bisher Ziel zahlloser gläubiger Pilger.

2007 fand ich diese Pressemeldung dazu:
Teile des Kreuzes Christi in hohler Säule vermutet


Die Überlieferung stammt aus antiken Quellen: Konstantin der Große soll in der Istanbuler Konstantinssäule Teile des Kreuzes Christi verborgen haben. Wahrheit oder Legende? Archäologen haben jetzt tatsächlich einen Hohlraum im Sockel der Säule entdeckt.

Archäologen haben bei der Restaurierung der Istanbuler Konstantinssäule einen Hohlraum im Sockel entdeckt, in dem bedeutende christliche Reliquien vermutet werden. Wie die türkische Zeitung „Yeni Safak“ berichtete, gingen die Forscher mit Messungen jahrhundertealten Legenden nach, wonach der römische Kaiser Konstantin im Jahr 330 einen Teil des Kreuzes Christi in der Säule einmauern ließ. Mit Schallwellen und anderen archäologischen Methoden wiesen sie demnach nun einen kuppelförmigen Hohlraum im Sockel der Säule nach.

Die Konstantinssäule wurde 330 errichtet und steht trotz zahlreicher Schäden durch Erdbeben und Blitzeinschläge noch heute mitten in Istanbul. Legenden zufolge soll Konstantin der Große, der das Christentum im Römischen Reich legalisierte, in der Säule christliche Reliquien verborgen haben, die seine Mutter Helena aus Jerusalem überführen ließ. Darunter sollen sich Teile des Golgatha-Kreuzes oder ein Nagel vom Kreuz befunden haben.

„Für die Existenz christlicher Reliquien in der Säule gibt es viele römische und byzantinische Quellen“, zitiert die Zeitung den Archäologen Faruk Göncüoglu von der Technischen Universität Istanbul. In einem früheren Interview habe auch der Sprecher der katholischen Bischofskonferenz in der Türkei, Georges Marovitch, gesagt: „Wir glauben, dass Teile des wahren Kreuzes hierher gebracht wurden und unter der Konstantinssäule vergraben sind.“

Nach Angaben der federführenden Firma soll die Restaurierung bis Jahresende abgeschlossen sein. Die Arbeiten, die nach dem Erdbeben von 1999 notwendig wurden, dauern wegen bürokratischer Hindernisse bereits vier Jahre. Pläne für eine Öffnung der Säule gibt es dem Zeitungsbericht zufolge offenbar nicht.

Quelle

Nun wäre ich natürlich neugierig, was aus den Grabungen und Restaurationsarbeiten geworden ist. Wenn jemand mehr weiß, oder finden sollte, bitte in den Kommentarbereich schreiben, ich füge es ggf. dann hier noch ein. Danke schön.

Ich vermute, es wird sich womöglich wenig oder nichts finden lassen, denn schließlich haben ja die Lateiner auf dem vierten Kreuzzug Konstantinopel erobert und alles was nicht niet- und nagelfest war, ins katholische Europa geraubt (zur Erinnerung, Europa besteht und bestand nicht nur aus der EG der 12 Staaten vor dem Fall des Eisernen Vorhangs, oder dem katholisch-protestantischen Teil. Daher sage ich oft Abendland, Okzident, etc., wenn SO-Europa und Teile rund um das Schwarze Meer von Muslimen beherrscht wurden. Denn diese Teile sind eben auch Teil des geographischen Europas, wie die christlich-orthodoxen Teile ebenso.).

Wie ihr übrigens erkennen könnt, wurde die Säule doch recht gut im Spiel umgesetzt, auch wenn historisch unkorrekt, da die barocke knollenartige Basis erst in dieser Form Ende des 18. Jahrhunderts gemauert wurde, also dreihundert Jahre später. Das kann man als künstlerische Freiheit sehen. Oder man kann es bedauern, dass sie nicht einmal in einen vernünftigen Reiseführer geschaut haben müssen, um einfach die Basis der Säule glatt ohne Wulst zu gestalten...


Egal, kommen wir zum zweiten Gebäude des Spieles, welches ich vorstellen möchte:

Sergios- und Bakchos-Kirche, heute Küçük Aya Sofya Moschee

Die Kleine Hagia Sophia (aus dem griechischen Ἅγια Σοφία, „heilige Weisheit“, türkisch Küçük Aya Sofya Camii) ist die ehemalige orthodoxe Sergios- und Bakchos-Kirche (Hagioi Sergios kai Bacchos) in Istanbul und seit 1504 eine Moschee. Der byzantinische Kuppelbau wurde im 6. Jahrhundert n. Chr. errichtet und war bauliches Vorbild für die „große“ Hagia Sophia, die Hauptkirche des byzantinischen Reiches. Das Gebäude gehört zu den wichtigsten frühbyzantinischen Bauwerken Istanbuls. Als Kirche war sie den Heiligen Sergios und Bakchos geweiht.

Lage
Die „Kleine Hagia Sophia“ befindet sich in Istanbuls Stadtteil Eminönü unweit des Marmarameers, in der Nähe des Großen Palasts, südlich in direkter Verlängerung des Hippodroms.

Geschichte
Das Gebäude wurde zwischen 527 und 536 (einige Jahre vor der Hagia Sophia), während der Herrschaft Justinian I., als Kirche der Heiligen Sergius und Bacchus errichtet. Der Platz, der für die neue Kirche gewählt wurde, war ein unbebautes Gelände zwischen dem Hormisdas-Palast (dem Palast des Justinian vor seiner Thronbesteigung, benannt nach dem nach Konstantinopel geflüchteten Bruder des Sasanidenkaisers Schapur II. (310-379)), und der Kirche der Heiligen Apostel Petrus und Paulus. Die zwei Kirchen teilten sich Narthex, Atrium und Propylon. Die neue Kirche wurde der Mittelpunkt des Komplexes, bis heute befindet sich an ihrer Südseite die Nordmauer eines der zwei anderen Gebäude. Die Sergios- und Bakchos-Kirche war eines der wichtigsten religiösen Bauwerke in Konstantinopel. Wegen einigen Ähnlichkeiten mit der Hagia Sophia wird angenommen, dass das Gebäude von den gleichen Architekten Anthemios von Tralleis und Isidor von Milet entworfen wurde, und dass der Bau eine Art „Generalprobe“ für die Errichtung der Hagia Sophia, der größten Kirche des byzantinischen Reiches war. Den Namen erhielt sie wohl aufgrund der topographischen Nähe zur Hagia Sophia, denn von der reinen Optik her bieten sich eher Parallelen in der Bauplastik wie den Kapitellen an.
Von der Eroberung von Konstantinopel im Jahr 1453 durch die Osmanen, bis zur Herrschaft von Bayezid II. blieb sie als Kirche erhalten. 1504 wurde sie von dem "Weißen" Eunuchen Hüseyin Aga, dem Oberhaupt der Hüter des Bab-i-saadet („Tor der Freude“) im Topkapı-Palast, in eine Moschee umgewandelt. Sein Grab findet sich bei der Moschee. Zu dieser Zeit wurden die Portikus und eine Madrasa dem Gebäude hinzugefügt, während die Mosaiken, die die Kirche schmückten, entfernt wurden.
Großwesir Nişancı Hacı Ahmed Pascha baute 1740 einen Şadırvan (Moscheebrunnen) und eine Grundschule hinzu, der Brunnen wurde 1938 wieder entfernt. Schäden, die die Erdbeben von 1648 und 1763 verursacht hatten, wurden unter der Herrschaft von Sultan Mahmud II. 1831 repariert. Bauliche Reste der Kirche St. Peter und Paul, die eventuell noch vorhanden waren, wurden in den 1860er Jahren beim Bau einer Bahnstrecke, die unmittelbar südlich an der Moschee entlangführt, beseitigt.

2002 wurde das Gebäude wegen der starken Schäden, die durch Feuchtigkeit und Erdbeben verursacht wurden, auf die Liste der 100 meist gefährdeten Denkmäler des World Monuments Fund gesetzt, konnte aber 2004 wieder von der Liste gestrichen werden. Nach umfangreichen Wiederherstellungsarbeiten von 2002 bis September 2006 wurde die Moschee der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Beschreibung
Die Maurerarbeiten an dem Gebäude wurden mit der zu dieser Zeit in Konstantinopel üblichen Technik durchgeführt, es wurden Ziegelsteine benutzt, die in Mörtelschichten verlegt wurden, die fast die gleiche Stärke wie die Ziegelschichten bekamen. Die Wände wurden durch Ketten verstärkt, die aus kleinen Steinblöcken gebildet wurden. Das Gebäude, dessen Bauplan bewusst in San Vitale in Ravenna wiederholt wurde, hat die Form eines Oktogons, das in ein unregelmäßiges, dem Quadrat angenähertes Viereck mit inneren Ecknischen eingefügt wurde. Es wird durch eine 20 m hohe Schirmkuppel überdeckt, die auf acht Pfeilern steht. Dabei wird die Kuppel in 16 Sektoren unterteilt, wobei jeweils einer flach gestaltet, der nächste sphärisch gestaltet wurde, so dass sich von außen ein typisches Bild einer "buckeligen" Kuppel ergibt. Besonders sichtbar aus der Vogelperspektive, zum Beispiel von der Rundung des nahegelegenen Hippodroms/At Meydanıs. Der Narthex befindet sich an der Westseite gegenüber einem Gegenchor. Innerhalb des Gebäudes gibt es zwei Kolonnaden-Arkaden-Geschosse, die entlang der Nord-, West- und Südseite verlaufen, mit einer Inschrift in zwölf griechischen Hexametern, die dem Kaiser Justinian, seiner Frau Theodora und dem Heiligen Sergius, dem Schutzpatron der Soldaten der römischen Armee gewidmet ist. Merkwürdigerweise wurde der Heilige Bakchos dabei nicht erwähnt. Das untere Geschoss hat 16 Säulen, das obere 18 Säulen. Einige der Kapitelle tragen noch die Monogramme von Justinian und Theodora und wirken mit ihrem durchbrochenem Steinschnitt wie Spitzen, entmaterialisieren somit die Schwere des Steins und haben eine ganz andere Wirkung als die Vorläufer-Kapitelle der Antike. Vor dem Gebäude gibt es einen Portikus und einen Vorplatz, die während der osmanischen Periode hinzugefügt wurden, sowie einen kleinen Garten, einen Brunnen für die Waschungen und einige kleine Geschäfte. Im Norden des Gebäudes befinden sich ein kleiner muslimischer Friedhof und das ehemalige Baptisterium.

Hier  mal einige bildliche Impressionen:

Die kleine Hagia Sophia, hier von der Nordostseite aus, links mit dem Chor.
Man erkennt recht gut die charakteristischen "Buckel" auf der Kuppel.

Hier die Sicht auf den Narthex-Bereich, mit einer unter den Osmanen
angefügten offenen Vorhalle. Dahinter ein Minarett
mit barockem Balkon.


Im Vordergrund der osmanische rituelle Reinigungsbrunnen, dahinter der
Eingangsbereich zur Moschee
Und so wurde dieses Bauwerk in Assassin's Creed gestaltet:

Ein Screenshot der kleinen Hagia Sophia aus Assassin's Creed
(Nicht vergessen: Jedes Bild kann durch Anklicken vergrößert werden.)
Möchte man wissen, wie das Gebäude vorislamisch ausgesehen haben könnte, dann empfehle ich diese Internetseite, wo mittels Computergrafiken möglichst historisch korrekt viele Gebäude des Konstantinopels aus dem Jahre 1200 rekonstruiert wurden.

Wenn ihr die obigen Bilder vergleicht, dann erkennt ihr sicherlich, dass die Kleine Hagia Sophia im Spiel verhältnismäßig gut umgesetzt wurde. Die "Buckel" der Kuppel hätten zwar ausgeprägter gestaltet werden können, aber ich möchte nun auch nicht zu pingelig sein...

So. Das sind erste Hintergrundinformationen zum Spiel, zur Stadt Istanbul, und auch zu Bauwerken, die man bei einer längeren Istanbul-Reise durchaus mal einen Besuch abstatten sollte. Während der Reiseplanung hingegen klettert gerne im Spiel noch ein wenig auf diesen Bauwerken herum...


(Bildquellen: Screenshots, Wikimedia Commons: 1, 2 Vmenkov, 3, 4 Stanislav Kozlovskiy, 5 Ggia, 6)

2 Kommentare:

  1. Respekt ;D ich war ein wenig geblendet von den viedeos von ubisoft in denen alles so dargestellt wurde als wäre alles genau "nachgebaut". also danke für die "erleuchtung" ;D

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