Posts mit dem Label Türken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Türken werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 27. März 2012

Chronologie des Osmanischen Reiches

Osmanisches Reich in seiner größten Ausdehnung im 16./17. Jahrhundert.

Chronologie des Osmanischen Reiches



1071 Schlacht von Mantzikert/Malazgirt: Der Seldschuke Alp Arslan besiegt die Byzantiner in Ostanatolien
1177 Die Seldschuken nehmen Malatya ein, einen Hauptsitz der mit ihnen konkurrierenden Danişmendiden
1204 Besetzung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer; Gründung des Kaiserreichs von Trapezunt (Trabzon)
1220-37 Herrschaft Alaeddin Keykubad I., seine Herrschaft gilt als Höhepunkt der rumseldschukischen Epoche
1243 Seldschuken werden nach verlorener Schlacht am Kosedağ Vasallen der Mongolen (Ilkhaniden)
1261 der Basileus Michael VIII. gewinnt Konstantinopel zurück
1261-1300 Gründung der Fürstentümer Menteşe, Aydın, Saruhan, Karesi und Osmanlı (Osmanen) in Westanatolien
1288/9 überliefertes Todesjahr von Ertuğrul Gazi, dem Vater Osmans
ca. 1289/90 oder 1281-1324(?) Osman I.
1303 der letzte Seldschuke, Alaeddin Keykubad III., wird durch die Ilkhaniden hingerichtet
1324-62 Orhan
1324 stellt Sultan Orhan die älteste bekannte osmanische Urkunde aus
1326 osmanische Eroberung von Bursa, sie wird zur ersten Residenzstadt ausgebaut
1331 osmanische Eroberung von Nicaea (Iznik)
1335 Ende der mongolischen Ilkhaniden im Iran
1351 osmanische Militärallianz mit Genua gegen Venedig
1354 osmanische Einnahme von Ankara und Gallipoli
1361 oder 1369 osmanische Eroberung von Adrianopel (Edirne), sie wird Hauptstadt bis 1453
1362–89 Murad I.
1363–65 osmanische Expansion ins südliche Bulgarien und Thrakien
1371–73 osmanischer Sieg an der Maritza; Byzanz und die Balkanfürsten akzeptieren die osmanische Oberherrschaft
1373 Murad I. und der byzantinische Kaiser verbünden sich gegen ihre rebellischen Söhne; der Papst verurteilt diese Allianz (1374)
1376 Andronikos V. mit osmanischer Hilfe byzantinischer Kaiser, übergibt Gallipoli/Gelibolu an die Osmanen.
1385 osmanische Eroberung von Sofia; Heerführer Gazi Evrenos besetzt Thessalien
1386 türkischer Karamanenfürst in Anatolien unterwirft sich den Osmanen
1388 der Bulgaren-Zar Schischman unterwirft sich; 1393 verschwindet das bulgarische Reich mit der Einnahme von Tarnovo; Stiftung des Nilüfer Imâret in Iznik von Murad I. zum Andenken an seine Mutter
1389 osmanischer Sieg auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) über eine Koalition von Balkanfürsten; nach der Schlacht wird Murad nach serbischer Überlieferung Opfer eines Attentats; ab jetzt verstärkte Eroberung anatolischer Kleinfürstentümer; ein schweres Erdbeben beschleunigt den Untergang der südwestanatolischen Fürstentümer von Menteşe und Aydın
1389-1402 Bayezid I. Yıldırım ("Der Blitz")
1394 Bayezid I. versucht Konstantinopel einzuschließen; im selben Jahr erreichen die Osmanen die Donaulinie; fast gleichzeitig gelangt der Mongolenherrscher Timur in Besitz von Erzincan
1396 Schlacht von Nikopolis, Bayezid I. besiegt europäisches Kreuzfahrerheer unter Sigismund von Ungarn
1402 Schlacht von Ankara, Zusammenbruch von Bayezids Reich, Wiederherstellung der Fürstentümer Anatoliens durch Timur Lenk
1403–13 Interregnum der Kronprinzen Bayezids
1413–21 Mehmed I. hat sich im Interregnum als Alleinherrscher durchgesetzt
1420 Abschluss der Befriedung Anatoliens durch den Sultan
1421–44 und 1446–51 Murad II.
1423–30 Sieg der Osmanen im osmanisch-venezianischen Krieg um Thessaloniki (Selanik)
1424 Grüne Moschee in Bursa wird nach zehnjähriger Bauzeit vollendet
1425 osmanische Annektierung von Izmir und die Rückeroberung Westanatoliens, vollendet spätestens 1430
1439 osmanische Annexion Serbiens und Einnahme Smederevos
1443 ungarischer Reichsverweser János Hunyadis Einfall in den Balkan
1444 Erneuerung der serbischen Herrschaft; Sieg über europäisches Koalitionsheer bei der Schlacht von Varna; Friede von Edirne
1444–46 und 1451–81 Mehmed II. Fatih ("der Eroberer")
1447 Üç Şerefeli Moschee (Moschee mit den drei Umgängen) wird nach zehnjähriger Bauzeit in Edirne vollendet
1448 zweite Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) mit der Niederlage Hunyadis
1453 Eroberung von Konstantinopel (Istanbul); Fall von Pera
1459 Eroberung von Serbien und der Morea, Baubeginn des Topkapı-Serail (bis 1478)
1461 Eroberung des Reiches von Trapezunt (Trabzon), der letzten griechischen Herrschaft in Kleinasien
1463–79 Krieg mit Venedig
1468 endgültige Eroberung von Karaman
1470 Eröffnung des Baukomplexes der Eroberermoschee Sultan Mehmed II. in Istanbul
1473 Sieg Mehmeds II. über den Fürsten der Akkoyunlu, Uzun Hasan, in der Schlacht von Başkent/Otluk Beli; erste osmanische Vorstöße nach Kroatien, Kärnten und in die Kraina
1475 Inbesitznahme der genuesischen Handelskolonien auf der Krim
1479 Apulienfeldzug mit der Einnahme von Otranto durch Ahmed Gedik Paşa (bis zum Tode Mehmeds 1481 in Besitz)

Dienstag, 13. März 2012

So liebt die Türkei

Viele Türkinnen und Türken unterscheiden sich in ihren Vorstellungen in nichts
 von ihren christlichen mediterranen Nachbarn. Unterschiede werden gleichwohl aber
zu einigen Ländern Mittel- und Nordeuropas deutlich. Andere Vorstellungen von
Türkinnen und Türken hingegen würden wohl auch diese jungen Leute aus einer
Istanbuler Disko befremden.
Heute mal keine Analyse wie gestern, sondern einfach ein schon etwas älterer Artikel, den man mal auf seine Klischees und Stereotypen hin betrachten könnte. Gleichwohl sind einige Umfrageergebnisse durchaus interessant. Aussagekräftiger werden sie jedoch nur dann, wenn man mehrere Jahre und Jahrzehnte zum Vergleich heranzieht, und außerdem diese mit benachbarten Ländern des südlichen Europas vergleicht. Dazu müsste man ggf. in eine Bibliothek gehen, um die alten Stern-Ausgaben einzusehen.
Und wie sieht es hier bei uns aus? Welche Vorstellungen haben die türkischstämmigen Migranten zum Thema Liebe und Sexualität? Sind diese schon mehrheitlich an die Mehrheitsgesellschaft angeglichen, oder verharren sie mehrheitlich in ihren Vorstellungen noch bei denen ihrer Eltern und Großeltern aus den anatolischen Dörfern?

Antworten könnte eine Fachtagung übermorgen in Berlin geben, in die jeder herzlich eingeladen ist:


Sexuelle Identität und Selbstbestimmung in muslimischen Milieus


Donnerstag, 15. März 2012
18.00 – 20.30 Uhr

Friedrich-Ebert-Stiftung
Politische Akademie

Konferenzsaal der Friedrich-Ebert-Stiftung
Haus 1

Hiroshimastraße 17
10785 Berlin
Telefon: 030 269 35 - 7142

Die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen ist ein hohes Rechtsgut, welches mit Ehrkulturen und patriarchalen Strukturen in einem Spannungsverhältnis steht. In traditionell orientierten Milieus wird den Themen „Sexuelle Identität und Selbstbestimmung“ deshalb zumeist mit Vorurteilen und Tabuisierung begegnet. Das führt vor allem bei jungen Menschen zu Unsicherheit und Ablehnung. Infolgedessen sehen sich Lehrkräfte sowie Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen u. a. häufig mit homosexuellenfeindlichen Einstellungen unter Jugendlichen konfrontiert. Die Berufung auf religiöse Normen und Werte ist hierbei nicht selten ein maßgeblicher Faktor. Bei der Fachtagung wird u.a. der Frage nachgegangen, was „Sexuelle Selbstbestimmung“ aus islamischer Sicht bedeutet. Verschiedene Ansätze sexueller Aufklärung und Möglichkeiten der Kooperation sollen vorgestellt und diskutiert werden. Ziel ist es, das Wissen um die islamischen Perspektiven und die Handlungskompetenzen der handelnden Akteure zu erhöhen.
Sie sind herzlich eingeladen.
Folgendes Programm ist vorgesehen:


18.00 Uhr  Begrüßung und Einführung
Dr. Tobias Mörschel
Friedrich-Ebert-Stiftung

18.10 Uhr  Film
Islamische Positionen zum Thema Homosexualität

Impulse zum Thema:
Gabriele Heinemann
Leiterin von Mädchentreff MaDonna
Claudia Dantschke      
ZDK, Berlin
Ahmad Mansour
Projekt „Heroes“, Berlin
Jörg Steinert
Geschäftsführer LSVD Berlin-Brandenburg

19.00 Uhr Podiumsdiskussion

Lamya Kaddor
Islamische Religionspädagogin,  
Autorin und Erste Vorsitzende des  
Liberal-Islamischen Bundes e.V.
Andreas Ismail Mohr
Islamwissenschaftler, Berlin
Ahmad Mansour
Projekt „Heroes“, Berlin
Ulrich Keßler
Vorstand LSVD Berlin-Brandenburg

Moderation:
Margarete Steinhausen, rbb

20.30 Uhr Ende der Veranstaltung



Der Titel der Serie der Wochenzeitschrift Stern lautet:


Stern-Serie Teil 8

So liebt die Welt - Türkei

09.08.2007:

Infokasten:
  • WER KLÄRT AUF?
Nur 25 Prozent der jungen Türken werden von ihren Eltern aufgeklärt, im Alter zwischen 14 und 15 Jahren. Mit einigen Ausnahmen wird das Thema an den Schulen gemieden, obwohl sich 57 Prozent der Türken im Unterricht mehr Information über Sex wünschen.
  • WIE LERNT MAN SICH KENNEN?
In den Städten treffen Männer und Frauen wie bei uns aufeinander nämlich im Job oder an der Uni. Auf dem Land und unter den Migranten, die aus der Provinz in die Städte gezogen sind, ist es dagegen normal, dass Ehen von den Eltern arrangiert werden, vorzugsweise unter Verwandten: Im Osten der Türkei sind nach Schätzungen beinahe ein Drittel der Ehepartner blutsverwandt.
  • WANN HABEN TÜRKEN IHR ERSTES MAL?
Durchschnittlich mit fast 18 Jahren und somit eher spät (zwei Jahre später als Deutsche). Sex vor der Ehe haben gut 66 Prozent der männlichen und gerade einmal 8,5 Prozent der weiblichen Studenten. 15 Prozent der jungen Frauen zwischen I5 und 19 sind verheiratet. In traditionell lebenden Familien muss nach der Hochzeitsnacht immer noch ein blutiges Laken präsentiert werden.
  • WELCHE ROLLE SPIELT DIE PROSTITUTION?
Sie ist legal, für die meisten jungen Männer sind Prostituierte die einzige Möglichkeit Sex vor der Ehe zu erleben.
  • WANN UND WIE WIRD GEHEIRATET?
Nach solchen Zahlen sehnt sich der Vatikan: 92 Prozent der Türken heiraten im Lauf ihres Lebens, jedes Jahr wird kaum mehr als eine von 1000 Ehen (1,28) geschieden. Männer heiraten im Durchschnitt mit 28, Frauen mit 24 Jahren. Ober 80 Prozent der Ehen werden nicht nur vom Standesbeamten, sondern auch vom Imam geschlossen, gut 8 Prozent sogar ausschließlich von den islamischen Schriftkundigen, wobei diese Ehen rechtlich nicht anerkannt sind. Obwohl die Vielehe in der Türkei seit 1925 verboten ist, hat nach Schätzungen jeder neunte Mann in Südostanatolien mehr als eine Ehefrau. Nach dem Gesetz müssen die Ehepartner bei der Hochzeit 18 Jahre alt sein oder mindestens 16, wenn die Eltern zustimmen, und beide müssen sich vorher medizinisch untersuchen lassen. Aber bei den so genannten Imam-Ehen sind insbesondere die Frauen häufig jünger. Erst seit 2006 werden Zwangsehen von der türkischen Religionsbehörde als Sünde gegeißelt.
  • WELCHE RITUALE GIBT ES?
Ihre Initiation erleben türkische Jungen im Alter von drei bis zehn Jahren: „Sünnet“ die Beschneidung, die als wichtiger Schritt zur Männlichkeit angesehen wird. Spätesters mit dem ersten feuchten Traum lernen die Jungen „Abdest“, eine rituelle Waschung, der sich muslimische Männer und Frauen nach jeder sexuellen Handlung unterziehen. In Haushalten ohne fließendes warmes Wasser gilt noch heute: Stellt er abends den Kasel aufs Feuer, will er mit seiner Frau schlafen.
  • WIE STEHT'S MIT DER TREUE?
Einerseits: Kein anderes Land sprach sich bei einer Umfrage der Marktforschungsgruppe
GfK so sehr für die Treue aus: neun von zehn Türken halten eine Affäre für unverzeihlich. Andererseits: Eine Umfrage des Kondomherstellers Durex in 40 Ländern ergab das Gegenteil - Türken sind demnach Weltmeister im Seitensprung (58 Prozent gaben an, fremdgegangen zu sein). Und sie wechseln den Partner häufiger als alle anderen Nationalitäten - glaubt man den Antworten, bringen sie es im Durchschnitt auf 14,5 Bettgefährten.
  • WAS IST VERBOTEN?
Seit 1925 ist das Kopftuch in öffentlichen Gebäuden verboten. Seit 2005 wird Vergewaltigung in der Ehe als Straftat geahndet.
  • IST HOMOSEXUALITÄT AKZEPTIERT?
Sie ist nicht verboten, doch werden Schwule und Lesben geächtet. Geschlechtsumwandlungen sind seit 1988 erlaubt: Istanbul hat die größte Transvestiten- und Transsexuellenszene in der islamischen Welt. Dennoch berichtet Amnesty International von gezielten Medienkampagnen, gewalttätigen Polizei-Übergriffen und Geldstrafen gegen Transsexuelle.
  • WAS MACHT TÜRKEN AN?
Pornografie liegt mit 52 Prozent vorn. 2003 kam der erste Pornofilm auf Kurdisch auf den Markt und fand reißenden Absatz. Leider führt die Türkei auch in einer anderen Statistik: Weltweit wird nirgendwo so oft nach „Kinderpornografie“ gegoogelt.
  • WIE WIRD VERHÜTET?
64 Prozent der Frauen verhüten, davon die Hälfte mit Pessaren und Injektionen.
Weit verbreitet ist noch immer der Coitus Interruptus als einziges Verhütungsmittel. Nur sieben Prozent der Paare benutzen Kondome.
  • WIE HÄUFIG WIRD ABGETRIEBEN?
Seit 1983 sind Schwangerschaftsabbrüche bis zur zehnten Woche erlaubt, die Entscheidung kann die Frau allein treffen. 27 Prozent der verheirateten Frauen hatten schon mindestens eine Abtreibung.
  • WIE STEHT'S MIT DEM NACHWUCHS?
Türkische Frauen bekommen im Durchschnitt 2,4 Kinder (siehe Schaubild). 40 Prozent der Geburten in den vergangenen fünf Jahren waren nach Angaben des Gesundheitsministeriums keine Wunschkinder.

Inka Schmeling"


Donnerstag, 15. September 2011

Anschläge und Gewalt gegen Moscheen und Muslime

Diese Berliner Moschee wurde gleich
mehrfach Ziel eines Brandanschlages
Schon vor mehr als einem Jahr fragte ich mich, ob es denn nicht eine spezifische und detailliertere Untersuchung zu Gewalt gegen Muslime oder zu Anschlägen auf muslimische Einrichtungen wie zum Beispiel Moscheen gäbe.

Ich musste bei meinen Internetrecherchen schnell feststellen, das zwar die Gewalt durch Rechtsradikale zumeist auf Migranten durchaus untersucht und auch quantifiziert wurde, auch bezogen auf Gewalt gegen jüdische Einrichtungen, Friedhöfe, und dergleichen, jedoch speziell Gewalt gegen Muslime und deren Einrichtungen eher nicht erfasst oder untersucht wurde.

Und dies verwunderte mich, höre ich doch immer mal wieder seit Jahren von diversen Anschlägen gegen Moscheen, oder Kultureinrichtungen von Muslimen, von Brandsätzen angefangen, bis hin zu Attacken mit Schweineblut oder Hakenkreuz-Schmierereien. Wieso wird dieses nicht gesondert betrachtet, sondern verschwindet meist - wenn überhaupt - in irgendwelchen Lokalseiten kleiner Tageszeitungen? Müssen erst wieder Menschen verbrennen, bis ein öffentliches Bewusstsein geschaffen wird, und verstärkte Anstrengungen und geeignete Gegenmaßnahmen ergriffen werden?

Ich sprach im Blog schon einmal von dem vielleicht zunehmenden Unwohlsein von hiesigen Muslimen, und dem wohl oft geäußerten Wunsch, dieses im Einzelfall subjektiv als zumindest gastunfreundlich empfundenes Land zu verlassen - wenn man denn gut ausgebildet ist, also genau zu jenen Fachkräften gehört, die Deutschland so dringend benötigt - nicht zuletzt auch um dadurch weitere Arbeitsplätze im Niedriglohnsektor zu schaffen:

Brandanschlag auf Moschee und das Unwohlsein von Muslimen


Bekanntlich führt ja "hate speech" zu "hate crime".
Dies sollte eigentlich auch dem letzten Hinterbänkler nicht erst seit dem Terroranschlag des Rechtspopulisten Anders Breivik in Oslo bewusst sein.

Schauen wir also mal in diesem Blogposting, ob es da einigermaßen valide Daten zu einem eventuellem Anstieg von islamophober Gewalt gibt.

Sonntag, 4. September 2011

Homosexualität im Islam - Theorie und Praxis

Homoerotische Darstellung, safawidisch, Iran, Smithsonian Institution,
Washington
Ich hatte mich im Blog ja schon zweimal mit dem "heißen Eisen" Homosexualität und Islam beschäftigt. Einmal aufgrund eines Artikels zum neuen Buch von Prof. Thomas Bauer, in dem er darauf hinweist, dass die drakonischen Strafen für Homosexuelle im islamischen Kulturraum nie angewandt wurden, und der Import der britischen viktorianischen Moralvorstellungen im 19. Jahrhundert dazu führte, dass die islamische homoerotische Poesie nach Jahrhunderten der Blüte eingestellt wurde.
Weiterhin gab ich hier einige weitere Hintergrundinformationen, z.B. mithilfe einer Hausarbeit, die auf dem Blog al-sharq veröffentlicht wurde, sowie einem Lexikon-Zitat.

Heute kommen nun weitere Erläuterungen in Zitaten, wie meistens bei mir von kurzen allgemeinen Zitaten, hin zu immer detaillierteren Informationen, so dass diverse Ansprüche des Informationbedürfnisses der Leser befriedigt werden könnten. Dazu noch einige weiterführende Links, sowie einige Gedanken von mir.

Aus dem Lexikon des Mittelalters:
(Einige Sonderzeichen (Transkriptionen) der DMG werden nicht korrekt angezeigt.)

Homosexualität im islamischen Bereich:

Die nach dem atl. Lot im Arabischen als Liwat bezeichnete Sodomie wird durch Koran (7:81-83; 26:165; 27:54-55) und Hadith verdammt, von den Juristen gemeinsam mit ehebrecherischem Verkehr (zina) als schweres Sittlichkeitsverbrechen behandelt, wobei in der Rechtspraxis allerdings strenge Beweisregeln die Ahndung praktisch verhinderten. Trotz des religiös-moralischen Verdikts wurden Transvestiten (muhannat) und Homosexuelle (luti) in den ehemaligen byzantinischen und iranischen Ländern von der islamischen Obrigkeit geduldet, insbesondere im städtischen und höfischen Bereich, wie Literaturzeugnisse homoerotischen Inhalts zeigen (Abu Nuwas, gest. 813 in Bagdad; »Mufaharat al-gawari wa'lgilman«, ein geistreiches Streitgespräch zwischen Homo- und Heterosexuellen von Gahiz, gest. 868/869 in Basra). Homosexuelle Kontakte, üblicherweise zwischen älteren Männern und heranwachsenden Knaben, wurden durch die Geschlechtertrennung in den muslimischen Städten gefördert; das juristische und populäre moralische Schrifttum warnt vor Verführung u. a. in Schulen und Sufi-Bruderschaften. In Liebesgedichten der arabischen, später der persischen und türkischen Literatur werden bevorzugt Knaben angesprochen, da die erotische Schilderung der Frau als unziemlich gilt und der fiktionale Schauplatz der erotischen Poesie in maskuliner Sphäre, namentlich in der Schenke, angesiedelt ist. Homoerotische Züge in der Dichtung sind oft nur Topoi. Aufgrund literarischer Belege erscheint Bisexualität noch bis ins 16. Jh. in der muslimichen Oberschicht als schickliche oder gar empfohlene Verhaltensweise, wobei die homoerotische Komponente öffentlich stärker hervortritt, das heterosexuell geprägte häuslich-private Leben dagegen geringere Beachtung erfährt. Sexuelle Exzesse jeder Art werden mißbilligt (vgl. den osman. Geschichtsschreiber Mustafa 'Ali).
C.H. Fleischer

Sonntag, 14. August 2011

"Die Türken kommen - rette sich, wer kann"


Ghettos in Deutschland - Eine Million Türken

Manchmal hilft ein Blick in die Vergangenheit, die Gegenwart besser einzuordnen, oder die Zukunft besser einzuschätzen.
Hier mal ein recht langer Spiegel-Artikel von 1973 mit dem Titel "Die Türken kommen - rette sich, wer kann". Da fragt man sich, ob es wirklich schon immer "Denkverbote" wegen der sogenannten "Political Correctness"-"Diktatur" gegeben hat, die letztes Jahr im Zuge der Sarrazin-Debatte wieder einmal zum Vorschein kam. Vielleicht hat sich dieses Klima aber auch erst ein Jahrzehnt später eingestellt, mit dem Einzug der Grünen in den Bundestag, im Zuge dessen vielleicht sich der Sprachgebrauch zunehmend etwas sensibilisierte, bis vielleicht tatsächlich über das Ziel hinausgeschossen wurde, und geforderte deutsche Sprachkompetenz mit "Zwangs-Germanisierung" als Argument "totgeschlagen" wurde. Aber diese Zeiten der (auch verbalen) Verharmlosung von Integrationsproblemen sind ja schon lange vorbei, wenn es sie denn je so gegeben hatte, wie die Kritiker behaupten.
Jedenfalls scheint der Spiegel hier in den 70ern kein Blatt vor dem Mund zu nehmen.

Einige Auszüge

... Der Andrang vom Bosporus verschärft eine Krise, die in den von Ausländern überlaufenen Ballungszentren schon Lange schwelt. Städte wie Berlin, München oder Frankfurt können die Invasion kaum noch bewältigen: Es entstehen Gettos, und schon prophezeien Soziologen Städteverfall, Kriminalität und soziale Verelendung wie in Harlem.