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Freitag, 29. Juli 2011

Feindbild Islam - Stefan Weidner entschlüsselt die sogenannten "Islamkritiker" - 4. Teil

Thilo Sarrazin war der bisher "ranghöchste" selbsternannte
"Islamkritiker" Deutschlands

Ich hoffe, dass nun nach den Attentaten des Terroristen Anders Behring Breivik in Oslo eine breitere Diskussion angestoßen wird, wie man den Rechtspopulismus zähmen kann, wie man illegitime pauschalisierende Kritik an "dem" Islam vom Benennen einiger Probleme bei Migranten jeglicher Religion (auch Chinesen oder sehr bibeltreue Evangelikale leben in Parallelwelten, und das muss auch kein Problem sein) trennen kann. Es muss das "Feindbild Islam" mit allen argumentativen Mitteln dekonstruiert werden, sachlich, möglichst wissenschaftlich fundiert, und zwar ohne ein neues Zerrbild der Realität von einem vermeintlichen "Eitel-Sonnenschein" zu zeichnen. Die Entstehung, die Charakterisierung und die immer nähere Angleichung des "Zerrbildes Islam" an den Antisemitismus des 19. und auch des frühen 20. Jahrhunderts wurde hier in der Artikelserie "Feindbild Islam" schon einige Male angesprochen.
Nun scheint es so zu sein, dass auch die breitere mediale Öffentlichkeit jenseits des Feuilletons erfährt, dass vielleicht das Bild, welches sie sich von "dem" Islam machen, ein wenig schief bis verzerrt ist. Es wird sicherlich in den Feuilletons verstärkt darüber debattiert werden, wo Kritik aufhört, und Hetze beginnt, wie es dieses schon zuletzt heftig 2010 gegeben hatte - Stichwort "Dschihad im Feuilleton"  (PDF).

Dabei ist diese Aufklärung über das "Feindbild Islam", welches die selbsternannten sogenannten "Islamkritiker" wie Henryk M. Broder, Thilo Sarrazin oder Necla Kelek verbreiten gar kein neues Thema, denn schon seit Jahren warnen aufmerksame Beobachter vor der undifferenzierten Sicht auf den Nahen Osten und den Islam.

So zum Beispiel der Politologe und Orientalist Olivier Roy, der durchaus auch islamkritisch sein kann, aber eben nicht in der Weise, wie oben genannte Laien, die dem kundigen Leser oder Hörer immer wieder ihre Unkenntnis selbst banalster sachlicher Fakten vor Augen führen. Da diese selbsternannten "Islamkritiker" sich meistens gegenseitig in ihren Werken zitieren, fallen ihnen diese Sachfehler gar nicht auf, aber vermutlich eher noch: Sie wollen sie gar nicht sehen, denn diese würden ja ihrem zurecht gezimmertem Weltbild widersprechen.

Donnerstag, 28. Juli 2011

Artikelserie: Die Zerstörung von Mekka - Wahhabiten

Kaaba in Mekka, Saudi-Arabien

Ich fasse hiermit mal einige zusammenhängende Blogpostings zusammen, und versehe dann diese Postings mit einem Label, damit man sie schneller über das rechte Menü finden kann.

Die Zerstörung von Mekka - Wahhabiten 1. Teil

Die Zerstörung von Mekka - Wahhabiten 2. Teil

(Bildquelle: Wikimedia Commons)

Mittwoch, 27. Juli 2011

Artikelserie: Was ist Dschihad und der Unterschied zum "Heiligen Krieg"?

kirchliche Kreuzzugspropaganda, wie vermeintlich Muslime
ihre Notdurft in Kirchen verrichten würden. Ein Lüge,
die ihren Zwecks bei den Kreuzrittern erfüllte



Ich fasse hiermit mal einige zusammenhängende Blogpostings zusammen, und versehe dann diese Postings mit einem Label, damit man sie schneller über das rechte Menü finden kann.


Was ist Dschihad und der Unterschied zum "Heiligen Krieg"? Teil 1

Was ist Dschihad und der Unterschied zum "Heiligen Krieg"? Teil 2

Donnerstag, 14. Juli 2011

Wer macht mehr Angst, Salafiten wie Pierre Vogel oder Evangelikale?

"Gehorche Jesus oder stirb!"
Fundamentalistischer Missionar
auf einem Campus in den USA
Heute stolperte ich über ein Video auf Hennings Blog über Evangelikale beziehungsweise christliche Fundamentalisten, welches ich unten verlinke. Dabei fiel mir bei einer Szene am Brandenburger Tor, wo Evangelikale zu mehr als Zehntausend (!) ekstatisch und lautstark den Prediger folgten eines auf: Wo wird eigentlich mal in den üblichen Medien von der "Unterwanderung" Deutschlands durch diese rechten Evangelikalen diskutiert?
In den letzten Tagen hingegen finden wir immer wieder Berichte über islamistische Salafiten wie den ominösen Pierre Vogel, der eher eine Karikatur seiner selbst ist. Nicht nur wird damit er und seine Sekte oder islamistische Bewegung damit über Gebühr aufgewertet, nein, die Medien tragen auch Mitverantwortung dafür, dass diese Bewegung weiter Zulauf gewinnt. Dabei gibt es in Deutschland nur geschätzte 3000 - 5000 Salafiten, wie einige Experten hier und hier schätzen. Ein Bruchteil der geschätzten 1,3 Millionen Evangelikalen. Und lass es auch inzwischen 10.000 Salafiten in Deutschland geben, verglichen mit den Evangelikalen sind sie eigentlich nur eine absolute Randerscheinung - nur nicht in den Medien. Und von diesen Salafiten sind die meisten auch in der Praxis verfassungstreu, wenngleich sie am liebsten in einem "Gottesstaat" leben würden, wie viele der Evangelikalen in ähnlicher Weise ebenfalls. Nun mag man einwenden, dass von diesen zehntausend Salafiten durchaus wenige Hundert gewaltbereite Dschihadisten sein könnten. Richtig. Aber selbst wenn diese erfolgreiche Anschläge verüben würden, könnten sie Deutschland niemals verändern (abgesehen von einer dann einsetzenden Welle der Intoleranz Minderheiten gegenüber und starken Abbau von Persönlichkeitsrechten seitens der Politik nach Vorbild der Heimatschutzbehörde der USA). Ganz anders die Evangelikalen. Nicht nur haben sie ein starkes Wachstum an neuen Anhängern, nicht nur indoktrinieren sie gezielt die Jugend Deutschlands, sie betreiben nicht selten aggressives Missionarswesen, nein, einige Gruppen der Evangelikalen planen nichts geringeres als eine "Revolution" in Deutschland, wie der Protagonist der ersten Doku es unten beschreibt. Sie haben die Möglichkeit weit stärker zu wachsen, als es die Salafiten jemals könnten, sie haben die Möglichkeit unbemerkt Politik, Medien, Gesellschaft zu "unterwandern", wie es die Salafiten niemals könnten, sie haben die Möglichkeit ein anderes Deutschland zu schaffen, wo der liberalen Gesellschaft große Einschränkungen drohen würden.

Dabei möchte ich nochmals betonen: Die allermeisten Salafiten sind friedliche Menschen, die einfach nur nach ihrer rigiden Auslegung des Islams leben möchten, manche von denen betreiben aktives Missionieren, einige befürworten auch Gewalt zum Erreichen ihrer ideologischen Ziele, würden aber selber nie aktiv werden, und eine kleine Minderheit der Salafiten ist durchaus bereit selber zur Waffe zu greifen, vorwiegend im Ausland, z.B. Irak, Afghanistan, usw. und davon wiederum sind einige wenige bereit auch hierzulande Gewalt anzuwenden. Letzteres muss selbstverständlich auch erkannt, beobachtet und gegebenenfalls bekämpft werden.
Und bei den Evangelikalen sind die allermeisten ebenso friedliebende Menschen die Gewalt ablehnen, die auch in der Praxis verfassungstreu wie die meisten Salafiten sind, wenngleich beide nur die Autorität Gottes als letzte Instanz insgeheim oder offen akzeptieren. Etliche der christlichen Fundamentalisten betreiben aktives Missionieren und nur ein kleiner Teil befürwortet Gewalt zum Erreichen ihrer ideologischen Ziele.

Auch bei Kindern lösen gehirnwäschemäßige
Massenevangelisationsveranstaltungen tiefe Emotionen aus
Was diese Gruppe aber für uns alle zu einer vielleicht größeren Gefahr im Vergleich zu den Salafiten macht, ist einerseits, dass sie nicht als etwas "Fremdes" wahrgenommen wird, daher es leichter fällt Anhänger zu gewinnen, dass sie viel aktiver bei den Kindern und Jugendlichen missionieren als es die Salafiten können, dass sie überall in der Gesellschaft an den entscheidenden Schalthebeln unerkannt sitzen können, da sie weder Kopftücher noch Rauschebart und Häkelmützchen tragen, dass Teile der Evangelikalen Deutschland durchaus "revolutionär" verändern möchten, wie es die Salafiten nie könnten, selbst wenn alle Muslime Deutschlands (4% der Bevölkerung Deutschlands, nur mal zur Erinnerung) dieser Sekte folgen würden, dass allein deren hohe Anzahl doch schon eine größere Wirkmächtigkeit entfalten könnte als Linksextremisten, Rechtsextremisten und Islamisten gemeinsam, und letztlich, dass diese christlichen Fundamentalisten medial kaum einmal Erwähnung finden und daher ihre Aktivitäten und vor allem deren Hintergründe und deren Agenda der breiten Öffentlichkeit verborgen bleiben. Da hat man in den letzten Jahren schon eher mal etwas von der Gefahr die von Scientology ausgeht gehört.

Die Evangelikalen hätten durchaus die Macht Deutschland entscheidend in eine gewisse illiberale Richtung zu verändern. Die Salafiten werden diese niemals haben. Die Medienberichterstattung sollte dem einmal Rechnung tragen.

Samstag, 9. Juli 2011

Medizin im Reich des Kalifen

Miniatur aus einem Werk des Chirurgen Şerafeddin Sabuncuoğlu,
das eine psychatrische Behandlungsmethode darstellt
osmanisch, 15. Jh.


Wie war eigentlich zur islamischen Blütezeit vor 1000 Jahren die ärztliche Versorgung im Nahen und Mittleren Osten?

Ein Brief als Exempel:

Lieber Vater! Du fragst, ob du mir Geld bringen sollst. Wenn ich entlassen werde, bekomme ich vom Krankenhaus einen neuen Anzug und fünf Goldstücke für die erste Zeit, damit ich nicht sofort wieder arbeiten muss. Du brauchst also von deiner Herde kein Tier verkaufen. Du musst aber bald kommen, wenn du mich noch finden willst. Ich liege auf der orthopädischen Station neben dem Operationssaal. Wenn du durch das Hauptportal kommst, gehst du an der südlichen Außenhalle vorbei. Das ist die Poliklinik, wohin sie mich nach meinem Sturz gebracht hatten. Dort wird jeder Kranke zuerst von den Assistenzärzten und Studenten untersucht, und wer nicht unbedingt Krankenhausbehandlung braucht, bekommt dort sein Rezept, das er sich nebenan in der Krankenhausapotheke anfertigen lassen kann. Ich wurde nach der Untersuchung dort registriert und dem Oberarzt vorgeführt, ein Wärter trug mich in die Männerstation, machte mir ein Bad und steckte mich in saubere Krankenhauskleidung.
Aber du lässt linker Hand auch die Bibliothek und den großen Hörsaal, wo der Chefarzt die Studenten unterrichtet, hinter dir. Der Gang links vom Hof führt zur Frauenstation, du musst dich also rechts halten und an der Inneren Abteilung und der Chirurgischen vorbeigehen... Wenn du Musik oder Gesang aus einem Raum vernimmst, sieh hinein. Vielleicht bin ich dann schon in dem Tagesraum für die Genesenden, wo wir Musik und Bücher zu unserer Unterhaltung haben.
Als der Chefarzt heute morgen mit seinen Assistenten und Wärtern auf Visite war und mich untersuchte, diktierte er dem Stationsarzt etwas, was ich nicht verstand. Der erklärte mir hinterher, dass ich morgen aufstehen darf und bald entlassen werde. Dabei mag ich gar nicht fort. Alles ist so hell und sauber hier. Die Betten sind weich, die Laken aus weißem Damast und die Decken flaumig und fein wie Samt. In jedem Zimmer ist fließendes Wasser, und jedes wird geheizt, wenn die kalten Nächte kommen. Fast täglich gibt es Geflügel oder Hammelbraten für den, dessen Magen es verträgt. Mein Nachbar hatte sich schon eine ganze Woche lang kränker gestellt, als er war, nur um die zarten Hühnerbrüstchen noch ein paar Tage länger genießen zu können. Der Chefarzt hat aber Verdacht geschöpft und ihn gestern nach Hause geschickt, nachdem er zum Beweis seiner Gesundheit noch einen Laib Brot und ein ganzes Huhn verzehren durfte.
Also komm, bevor mir mein letztes Huhn gebraten wird!