Dienstag, 19. Oktober 2010

Ausstellungen ohne Ende zur islamischen Kunst

 Portrait eines osmanischen Malers, osmanisch (1444 - 1481)
aus der Freer Gallery of Art, Smithsonian, Washington D.C.


Letzte Woche ging die spannende Ausstellung "UNERWARTET / UNEXPECTED Von der islamischen Kunst zur zeitgenössischen Kunst" im Kunstmuseum Bochum zu ende. Es gibt aber dieser Tage noch andere Ausstellungen islamischer Kunst zu bestaunen. Daneben lohnt auch immer ein Blick auf das begleitende Rahmenprogramm, so werden nicht nur kunsthistorische Fragen in Dia-Vorträgen behandelt, wie z.B. die Frage "Gibt es im Islam ein Bilderverbot?" Es werden auch vielfältige Themen z.B. rund um das Thema Islam oder Integration z.B. in Diskussionsrunden angeschnitten. Nicht zuletzt gibt es meist kulturelle, kulinarische und musikalische Beiträge in den Rahmenprogrammen, und für Kinder ist auch oft etwas Spezielles dabei.
Wer sich für Integration bzw. der Behebung einiger Probleme damit wirklich auseinander setzen möchte, egal ob als Mehrheitsgesellschaft, aber auch als Migranten, der sollte zumindest mal in dieses Rahmenprogramm einen Blick werfen, denn besonders bei musikalischen und kulinarischen Tagen, wie jetzt am vergangenen Wochenende die Türkischen Tage 2010 in Karlsruhe, sind zwanglos direkte Begegnungen und Austausch aller Seiten möglich. Und wenn ich mir Umfragen anschaue, nachdem die meisten Deutschen keinerlei Kontakt zu Muslimen haben, aber dennoch die größten "Ängste" haben, welcher Rahmen böte sich da mehr an dagegen vorzugehen, als ggf. das stimmungsvolle Foyer eines Museums, auf dem neutralen Boden der Hochkultur? Dabei muss man auch niemals ein regelmäßiger Museumsgänger sein, ich denke, selbst für viele bildungsferne Bürger könnten Vorträge mit Koran und Bibel im Vergleich, Musikdarbietungen oder Tanzende Derwisch-Perfomances interessanter sein, als RTL2... ;-)

Kommen wir zu den Ausstellungen:


"Die Aura des Alif. Schriftkunst im Islam

Sonderausstellung im Rahmen der Münchner Reihe „Changing Views. 100 Jahre nach der Ausstellung ‚Meisterwerke muhammedanischer Kunst’ in München“

Ausstellungsdauer: 22.10.2010 – 20.2.2011 im Völkerkundemuseum
Schrift ist ein Schlüssel zum Verständnis muslimischer Kulturen – ein essentielles Bindeglied zwischen den verschiedenen „beschrifteten Welten“ des Islam. Die Ausstellung des Völkerkundemuseums will mit den reichen eigenen Beständen an Kunstwerken und ethnographischen Objekten sowie zahlreichen hervorragenden Leihgaben die Augen öffnen sowohl für die Schönheit als auch für die Bedeutungsdimensionen arabischer Schrift. Ausgehend von der faszinierenden Ästhetik der Kalligraphie wird der Besucher mit der inhaltlichen und symbolischen Absicht der Schrift in Religion, Magie und Poesie vertraut gemacht. Schriftträger sind nicht nur Papier und Haut, sondern auch Keramik, Metall, Stein, Holz, Lack, Leder, textile Stoffe und anderes Material. Die Präsentation reicht in ihrer Vielfalt von der Frühzeit des Islam bis in das 21. Jahrhundert, von der Kunst herrschender Eliten bis zur Volkskunst und Alltagsästhetik. In der Aura des Alif, des ersten Buchstabens im arabischen Alphabet, der die göttliche Einheit symbolisiert, werden die Würde muslimischer Kulturen und deren künstlerische Ausdrucksformen lebendig.
Begleitprogramm


"zukunft der tradition – tradition der zukunft
100 jahre nach der ausstellung „meisterwerke muhammedanischer kunst“ in münchen

17 sep 10 > 09 jan 11

1910 fand auf der theresienhöhe in münchen die ausstellung „meisterwerke muhammedanischer kunst" statt. mit etwa 3.600 objekten war sie bis heute die größte ausstellung, die je zur kunst des islamischen kulturkreises gezeigt wurde. (...)

genau einhundert jahre später knüpft nun die ausstellung „zukunft der tradition – tradition der zukunft" an diese epochale schau an und vollzieht einen wichtigen blickwechsel: sie bezieht u.a. zeitgenössische kunst, design, fotografie und mode ein und bietet künstlern und institutionen die möglichkeit, mit eigenen konzepten an der ausstellung teilzunehmen. so stammt das ausstellungsdisplay des hauptraums von samir el kordy, einem der innovativsten jungen architekten ägyptens. durch eine kooperation mit huda smitshuijzen abifarès und der khatt foundation, zentrum für arabische typografie und design, können die aktuellen entwicklungen auf dem gebiet der arabischen typografie gezeigt werden.

die ausstellung gliedert sich in drei bereiche: im zentrum steht die neuinstallation von etwa dreißig der berühmtesten kunstobjekte aus der ausstellung von 1910. um diese historischen objekte herum sind werke von künstlern gruppiert, die traditionelle elemente der islamischen kunst, wie ornament und kalligrafie, bis heute beibehalten haben. sie stehen exemplarisch für die unterschiedlichen entwürfe einer moderne, die aspekte der westlichen avantgarde zwar aufgreifen, nicht jedoch absolut setzen. (...)"
Diese Ausstellung ist sehr umfangreich, so dass es sich lohnt auch in folgende Links zu schauen, mit den Pressemeldungen, um zu schauen, ob Teile der Ausstellung Interesse erzeugen können:
Kurze Einführung:
Haus der Kunst - München

Ausführlichere Einführung:
Kultur Online

Pressetext, inklusive der teilnehmenden Künstler:
Wechselausstellungen.de


Besprechung der Ausstellung auf arte:




Rundschild aus Eisen, persisch-mongolisch, 15. Jahrhundert. Tauschierte Arbeit mit großflächiger Ornamentik und stilisierten Schlangenmotiven, Durchmesser: 45 cm. © Kunsthistorisches Museum, Wien


Das riesige Rahmenprogramm in München mit weiteren Ausstellungen, z.B. auch in Kirchen, kann man hier einsehen:
"Die Auseinandersetzung mit dem Anderen, dem Unbekannten ist eine Quelle der Inspiration und eine Herausforderung für unser Selbstbild. Sie gibt den Anstoß, erlernte Sichtweisen zu ändern und neue Blickwinkel zu entdecken – Changing Views."



Eine interessante Diskussion über die letzten drei Ausstellungen zur islamischen Kunst und der These, ob sich hier ein gewisser Neo-Orientalismus eingeschlichen hat, bezüglich besonders bei den modernen Künstlern in der ZEIT:

"Überall ist Sure  
Die Integrationsdebatte in den Museen: Drei Ausstellungen in Bochum, Karlsruhe und München über islamische Kunst."

Eine im Zeit-Artikel angesprochene Ausstellung ist diese hier in Karlsruhe bis zum 9.1.11:



"Das fremde Abendland?
Orient begegnet Okzident von 1800 bis heute


Unter dem Titel „Das fremde Abendland? Orient begegnet Okzident von 1800 bis heute“ präsentiert das Badische Landesmuseum eine innovative Ausstellung. In Abgrenzung zur aktuellen Flut an Ausstellungen zum Thema Orientalismus und Orientrezeption weltweit beschäftigt sich diese Sonderausstellung mit dem umgekehrten Phänomen, der weniger bekannten Rezeption der westlichen Kultur im Osten. Jenseits gängiger kulturwissenschaftlicher Theorien um den „Okzidentalismus“ und aller stereotypen Einteilungen möchte die Ausstellung anhand ausgewählter Themen und Exponate die besondere historische Konstellation darstellen, in der die Neugier des Orients am Westen im Verlauf der vergangenen 200 Jahre eine neue Dimension erreicht hat. Aspekte des „Orientalismus“ hingegen werden vornehmlich dort gestreift, wo diese im Orient selbst auftauchen und bewusst oder unbewusst zur Projektionsfläche der eigenen Identität werden. Auch dienen exemplarisch vorgestellte Werke des europäischen Orientalismus dazu, den Besucher an das ihm eher vertraute Phänomen zu erinnern und ihn anzuregen, in Gegenüberstellung mit entsprechenden Arbeiten aus dem orientalischen Raum die kulturelle Wechselbeziehung zwischen Orient und Okzident im neuen Lichte zu betrachten.
Der Fokus der Ausstellung liegt auf dem Iran. Hinzu kommen Exponate aus Tunesien, Syrien und Palästina, die vor Gründung des Nationalstaates Türkei zum Osmanischen Reich gehörten. Damit soll der im Westen meist summarisch auf sämtliche Länder der islamischen Welt übertragene Begriff "Orient" aufgeschlüsselt und die je eigenen Traditionen aufgezeigt werden.
Zwei Themenschwerpunkte bestimmen die Ausstellung: Die Bilderwelten, in denen Darstellungen realer und mythischer Herrscher über Heiligenbilder des sunnitischen und schiitischen Islam, Frauen- und Genrebilder bis hin zur bildlichen Schilderung von Sehnsuchtsorten eine Rolle spielen. Sie schließen die Auswahl hochwertiger Ölgemälde bis hin zur gewöhnlichen Plakatkunst ein und beruhen neben Leihgaben aus Museen, Bibliotheken und von Privatpersonen größtenteils auf Feldforschungen vor Ort. In den Alltagswelten hingegen werden anhand ausgewählter kunsthandwerklicher Erzeugnisse, aber auch gewöhnlicher Souvenirartikel sämtlicher Materialgattungen sowohl die Übernahme europäischer Formen, Motive und Techniken als auch deren Rezeption in der islamischen Welt unter Einbindung regionaler Traditionen untersucht. Dabei zeigt sich, welch ungeahnt spannende Sinnverschränkungen der Blick auf die eigene Kultur aus fremder Sicht erlaubt."
Badisches Landesmuseum Karlsruhe


(Bildquelle: Wikimedia Commons)

1 Kommentar:

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