Freitag, 17. Juni 2011

World Islamic Economic Forum in Kasachstan: Kein Platz für Extremismus

Konzerthalle in Astana, Kasachstan
Vor einer Woche fand in der Hauptstadt von Kasachstan, im zentralasiatischen Astana das 7. World Islamic Economic Forum statt. Diese Konferenz entwickelte sich aus dem OIC Business Forum, einer Plattform für wirtschaftspolitische Gespräche der Mitglieder der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC). In dieser OIC befinden sich 57 Staaten die eine ganz oder teilweise muslimische Bevölkerung besitzen und nimmt für sich in Anspruch die islamische Welt zu repräsentieren. Auf diesem islamischen Weltwirtschaftsforum sollen die Wirtschaftsbeziehungen in der islamischen Welt, aber auch mit der nichtislamischen Welt erörtert, intensiviert und verbessert werden, daher zählen zu den Gästen und Rednern auch westliche Wirtschaftsvertreter, Medienvertreter und Politiker wie zum Beispiel der frühere niederländische Ministerpräsident Wim Kok. Man könnte diese Konferenz als Nachahmer des Weltwirtschaftsforum betrachten, welches alljährlich im schweizerischen Davos stattfindet.

Nun fand diese Konferenz kaum Niederschlag in hiesigen Medien, vielleicht sind deren Beratungen auch nicht sehr "weltbewegend" für uns, aber einige Bemerkungen der Teilnehmer fand ich doch  interessant. Vor allem deshalb, weil man hier mal Stimmen aus den Regionen der islamischen Welt vernehmen kann, die meistens im Windschatten der Berichterstattung über Krieg, Bürgerkrieg, Terror, radikal-islamische Exzesse, und so weiter, vorwiegend aus dem arabischen Nahen Osten liegen. Dieser arabische Nahe Osten, der meist 90% der Schlagzeilen über den islamischen Kulturraum bei uns ausmacht ist aber nur ein kleinerer Teil der islamischen Welt - gemessen an den Einwohnerzahlen:
Indonesien: 200 Mio.
Indien: 159 Mio.
Pakistan: 159 Mio.
Bangladesch: 144 Mio.
Türkei: 73 Mio.
Iran: 71 Mio.
dann erst folgt Ägypten als erstes arabischsprachiges Land.

(laut Fischer Weltalmanach 2011)

Ich zitiere mal einige Stimmen aus der euronews-Seite, wo man sich auch den Videobericht anschauen kann:

Der kasachische Aussenminister Jerschan Kasychanow meinte:
Die Stimmen der moderaten Länder, die sich auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Verbesserung des Lebensstandards ihrer Bürger konzentrieren können, müssen lauter werden als die Stimmen der Länder, die Extremisten und deren Ambitionen verteidigen.
Der autokratisch herrschende kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew meinte gar:
Welche Universitäten der islamischen Welt haben es international in die Top Hundert geschafft”,  “wo sind die islamischen Nobelpreisträger? Welche Innovationen kommen aus der islamischen Welt? Es gibt keine.” Deshalb müssten die muslimischen Länder eine Strategie finden, den Islam zum Nutzen der Völker zu modernisieren, so sein Aufruf.
Als eine Möglichkeit die islamische Welt zu entwickeln wurde die Chancengleichheit der Frauen angesprochen, die noch in etlichen islamischen Regionen der des Westens hinterherhinkt.
Malaysias Frauenministerin Shahrizat Abdul Jalil hat dabei etwas für manche Leser bemerkenswertes gesagt:
Kein Land könne erfolgreich sein, wenn es die Kreativität und Entwicklung seiner halben Bevölkerung blockiere: “Der Erfolg vieler muslimischer Länder hängt von der Regierung, der Führung und der Bevölkerung ab. Entscheidet man sich dafür, Frauen Macht zu geben, ist der Islam eine fantastische Waffe. Aber wenn man die Frauen klein halten will, kann die Religion als Hindernis benutzt werden.”
Also Islam als Faktor die Gleichberechtigung zu erhöhen. Diese Sicht mag für manchem neu sein, wird doch in hiesigen Medien vor allem der Islam als Hemmnis für die Gleichberechtigung dargestellt (was er teilweise ja auch ist, oder aber von den Männern dazu gemacht wird). Dabei wird unterschlagen, dass es schon seit geraumer Zeit einen islamischen Feminismus gibt, also eine Bewegung zu mehr Freiheit für die Frauen - durchaus auch mit einer religiösen, also islamischen Legitimation. Dabei bekommt unter Umständen das Kopftuch eine Bedeutung von Emanzipation und Freiheit (unter anderem vom Modediktat, vom Materialismus, von der Oberflächlichkeit zwischenmenschlicher Kommunikation, wo man nach Aussehen statt Inhalt beurteilt wird, vom Sexismus der Gesellschaft, usw.). Auch diese Bedeutung des Kopftuches ist in hiesigen Medien kaum einmal thematisiert, sondern nur das Symbol einer Unterdrückung, oder einer Tradition, eines politischen Statements oder der Ausübung der religiösen Praxis.

Jedenfalls meint der Reporter von euronews, dass auf dem Forum Extremismus klar eine Absage erteilt worden ist. Eine gute Nachricht, und damit keine Nachricht in den Medien, denn da zählt wie schon immer "bad news are good news" (für die Auflage/Einschaltquote).

Abschließend möchte ich noch auf sehr interessante Dokumente/Seiten hinweisen:

Link zur Internetpräsenz des diesjährigen Forums

Vom World Economic Forum (das in Davos) gibt es eine sehr interessante Studie mit zahlreichen Fachbeiträgen, unter anderem auch von bekannten Religionswissenschaftlern wie Karen Armstrong:

Islam and theWest: Annual Report on the State of Dialogue January 2008 - PDF
Es werden dort nicht nur wirtschaftspolitische Fragen angesprochen. Im Gegenteil, es wird ein vielfältiges Themengebiet betrachtet, z.B. werden Umfrageergebnisse des Westens gegenüber den Nahen Osten veröffentlicht, auch die Medien betrachtet, wie sie und über was sie berichten und vieles mehr. Sehr interessant.


Das (deutschsprachige) Video von euronews findet ihr in dem obigen Link mit weiteren Stimmen dieses Forums.

(Vielleicht binde ich es noch mal hier in dieses Posting ein.)

(Bildquelle: Wikimedia Commons)

Kommentare:

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  3. Jetzt aber zum Dritten... ;)
    Wer den ehemaligen Wirtschaftsminister Glos (CSU) vermissen sollte, der kann sich diesen Vorbericht zum WIEF 2011 in Astana mal anschauen... ;)

    EURONEWS klicken

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  4. Schade.... der Link scheint nicht zu funktioniere, oder den Bericht gibt es nicht mehr...

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  5. welcher geht nicht?
    der obige?
    http://de.euronews.net/2011/06/10/kasachstan-wie-passen-boom-und-islam-zusammen/
    oder der in dem Kommentar?
    http://de.euronews.net/2011/05/05/wirtschaftsforum-sorgt-sich-um-waehrungssystem/

    Aha, der in dem Kommentar war es... :-) Da hat sich ein Anführungszeichen am Ende eingeschlichen. Sorry. :)

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