Donnerstag, 23. Juni 2011

Kopftuch im Koran

Im Blog von Loay Mudhoon sah ich eine Zusammenfassung eines Vortrages von Prof. Rotraud Wieland, welches im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz gehalten wurde.
Hier das vollständige Dokument mit dem Titel:


Gleichzeitig bietet Loay Mudhoon einige weiterführende Links. Schaut selber dort für tiefergehendere  Informationen nach.

künstlerisches Foto, siehe unten
Dabei kam mir der Gedanke, dass es nicht schadet dazu meine Literatur durchzusehen, um daraus als Ergänzung zu seiner Verlinkung weitere Informationen dem interessiertem Leser zur Verfügung zu stellen. Denn viele Muslime wissen, dass ein Kopftuchtragen meist als Pflicht für (geschlechtsreife) Frauen gilt, wissen aber weniger, wie denn die Muslime in der Geschichte zu dieser Auffassung gekommen sind, und ob diese Kleiderordnungen denn so unmissverständlich klar sind, oder ob es da Interpretationsspielraum gibt.

Was steht dazu im Koran, wie war die historische Entwicklung?

Aus: Hartmut Bobzin: Der Koran. Eine Einführung. München 1999.:

Ein anderes in der Öffentlichkeit vieldiskutiertes rechtliches Problem ist die Verschleierung der Frau, für die man sich von muslimischer Seite aus gerne auf den Koran beruft. In diesem Zusammenhang werden drei Verse als mögliche Begründung genannt, wobei es interessant ist, daß alle drei Verse aus medinensischen Suren stammen. Bei der Betrachtung der ersten Stelle, nämlich Sure 24, 31, ist es wichtig, auch den vorhergehenden Vers zu beachten; er zeigt nämlich, daß hier ganz allgemein von den Grundregeln der Schicklichkeit die Rede ist, die Männer ebenso wie Frauen betreffen. Die beiden Verse lauten:

[30] Sag zu den gläubigen Männern (mu’minun), daß sie ihre Blicke niederschlagen und ihre Scham (farg) hüten sollen. Das bedeutet Reinheit für sie. Gott weiß Bescheid über das, was sie tun. [31] Und sag zu den gläubigen Frauen (mu’miriat), daß sie ihre Blicke niederschlagen und ihre Scham hüten sollen, daß sie ihren Schmuck nicht zur Schau stellen sollen, mit Ausnahme dessen, was ohnehin davon sichtbar ist. Sie sollen ihr Tuch (himâr/chimâr; laut Paret: Schal; laut Khoury: Schleier) über den Halsausschnitt schlagen und ihren Schmuck nicht zur Schau stellen. (...) 

Das hier für die Frauen erwähnte besondere Kleidungsstück war ein großes Umschlagtuch oder eine Art von Schalgewand, das über das weit ausgeschnittene Untergewand (izar) geschlagen wurde; es bedeckte zwar den Kopf, nicht aber das Gesicht. Es ist jedenfalls bemerkenswert, daß an dieser Stelle keines der in der altarabischen Dichtung benutzten Wörter für den Gesichtsschleier im engeren Sinne verwendet wird. Das trifft übrigens auch für die zweite der hier zu besprechenden Stellen zu; sie stammt aus Sure 33, die besondere Anweisungen für die Frauen des Propheten enthält (33, 30–34. 59). Aus dem Text der gesamten Sure geht mit aller Deutlichkeit hervor, daß der Prophet zu dieser Zeit in Medina bereits eine herausgehobene Stellung hatte und daß sich daraus bestimmte Sonderrechte für ihn und seine Frauen ergaben (33, 59):

Prophet! Sag deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihrem Gewand (ğilbab) über sich hinabziehen, das ist passender dafür, daß sie erkannt und nicht belästigt werden. Siehe, Gott ist vergebend und barmherzig.

Wie der himar war der ğilbab offenbar ein weites Tuch. Aus dieser Stelle geht freilich nicht hervor, wie man sich die Umhüllung genau vorzustellen hat und ob es tatsächlich eine Gesichtsverhüllung gab. Jedenfalls sollte aus der Art der Bekeidung der besondere soziale Rang der Frauen (etwa im Unterschied zu Sklavinnen) sofort erkennbar sein, so daß sie vor möglichen Übergriffen geschützt waren.

Die dritte Stelle (33, 53) lautet:

Und wenn ihr sie [d. h. die Frauen des Propheten] um etwas bittet, was ihr braucht, so tut das hinter einer Abschirmung (hidschab).

Mit hidschab ist aber keineswegs ein „Kleidungsstück“ gemeint, sondern eine Art Trennwand bzw. ein irgendwie trennender Gegenstand (ob Mauer, Paravent oder Vorhang), der auch an anderen Stellen im Koran erwähnt wird: Zwischen den Bewohnern des Paradieses und der Hölle ist ein hidschab (7, 46); Maria zieht sich vor ihren Angehörigen nach Osten zurück und verbirgt sich hinter einem hidschab (19, 16f.); zwischen Mohammed und den Ungläubigen besteht ein trennender hidschab (17, 45; 41, 5), und Gott redet zu Menschen nur durch „Offenbarung“ (wahy) oder eben „hinter einem hidschab“ (42, 51). Ob man hidschab nun mit „Vorhang“ oder „Trennwand“ übersetzt, klar ist im Hinblick auf Sure 33, 53, daß eine „Abschirmung“ der Prophetenfrauen beabsichtigt ist. Ein eindeutiger Grund dafür geht aus dem Wortlaut des Korantextes nicht hervor. Daher ist es nicht verwunderlich, daß es zur Begründung dieser Offenbarung eine ganze Reihe von widersprüchlichen Überlieferungen gibt.
Die Ausdehnung der „Abschirmung“ auf alle Frauen überhaupt stellt erst eine spätere Entwicklung im islamischen Recht dar, die sich u. a. auf die Erwähnung der „gläubigen Frauen“ in einem benachbarten Vers beruft (33, 59). Die heutige Verwendung des Wortes hidschab im Sinne von „Kopftuch“ bzw. „Schleier“ kann jedenfalls, um ein Fazit zu ziehen, aus dem Koran nicht begründet werden. Das haben übrigens auch schon die islamischen Reformer des letzten Jahrhunderts überzeugend dargelegt, wie z. B. der Ägypter Qasim Amin (1865–1908) in seinem berühmten Buch „Die Befreiung der Frau“, das 1899 in Kairo erschien.



Heinz Halm schreibt in: Der Islam. Geschichte und Gegenwart. 2004.:

Religiös begründet werden dagegen die Kleidervorschriften für Frauen; allerdings zeigt die große Vielfalt von Trachten in der islamischen Welt, wie unterschiedlich auch hier die Auffassungen sein können, da es an eindeutigen Vorgaben des Koran fehlt. Während in manchen Gegenden die völlige Verhüllung der Frauen hinter dichten Schleiern üblich ist, hat die
islamische Revolutionsregierung in Iran den Gesichtsschleier als unislamisch verboten, dafür aber das Tragen eines Umhangs (čādor) für obligatorisch erklärt. Viele Musliminnen tragen das Kopftuch als sichtbares Zeichen ihres Bekenntnisses zum Islam, andere verzichten darauf, da der Koran es nicht ausdrücklich vorschreibt.

Aus: Oliver Leaman (Hrsg.): The Qur'an: An Encyclopedia. Routledge 2006.


The word for veiling, hijab, is derived from the root h-j-b. Its
verbal form hajaba means to veil, to seclude, to screen. The
complex phenomenon of hijab is generally translated into the
English as veil with its correlate seclusion.
The term hijab or veil is not used in the Qur an to refer to
an article of clothing for women or men, rather it refers to a
spatial curtain that divides or provides privacy. The Qur an
instructs the male believers (Muslims) that when they ask of
anything from the wives of the prophet Muhammad to do so
from behind a hijab, a curtain that creates a visual barrier
between the two sexes (33:53). The observance of this hijab is
the responsibility of the men and not the wives of the
Prophet.
In later Muslim societies this instruction specific to the
wives of the Prophet was generalized, leading to the segrega-
tion of Muslim men and women not related to each other
through family ties. It created a social and political division
between public male space and private female space with the
effect of a political, social, economic, and psychological
disenfranchisement of the women. The gender-segregated
space has also provided an intimate homosocial context con-
ducive to deep bonds between members of the same gender
and inimical to bonds and commitments across genders,
including heterosexual relations.
Although the term for dress or garment in the Qur an is
libas, hijab has come to mean the headgear and outer garment
of Muslim women. Libas is used both literally to refer to
physical/material dress and adornments and figuratively as a
covering of human shortcomings and vulnerabilities. (16:14;
35:12; 18:31; 44:53; 22:23; 35:33).
In the Qur an the righteousness or taqwa of libas is mod-
esty. It is the correct balance between the function of libas as
protection and as ornamentation. Modesty concerns both
men’s and women’s gaze, gait, garments, and genitalia. The
specific articles and aspects of clothing that are mentioned
with regard to women only are jilbab, a loose outer clothing or
cloak, and khimar or scarf. When in the company of men,
women are asked to raise their khimar (scarves) over the
necklines of their shirts (24:31). When in public women are
asked to draw their jilbab (cloaks) over them so they may be
identified as respectable women and not be harmed (33:59).
These Qur ic verses do not mention any parts of the women’s
body. No body parts of either men or women are mentioned
in the modesty verses except the genitalia, which are to be
guarded (24:30–31). Guidelines for covering of the entire
body except for the hands, the feet, and the face, are found in
texts of fiqh and hadith that are developed later.
Early in the twentieth century the tradition of veiling
among Muslim women created controversy. Different ide-
ologies and attitudes, whether in Western countries or on the
part of Muslims influenced by the West, challenged the
practice. Regimes in a few Muslim countries have legislated
the veil on or off Muslim women. In most Muslim countries
where Muslim women have the freedom of choice, some,
especially in the modern urban centers, have discontinued the
practice of veiling. Some of those who had discarded the veil
have returned to it. But this modern return to the hijab
actually gives many women access to public spaces and jobs
instead of secluding them. For many Muslim women, due to a
complex of personal belief, social reenforcement, and public
self-image, the use of the hijab is an integral part of their being
in the world and an outward expression of their inward faith
that dictates modesty and chastity.
Beginning with the twentieth century, Western percep-
tions also underwent change with regard to the image of the
veiled Muslim woman. Originally perceived as being submis-
sive or oppressed, some Muslim women are now being
viewed as being an embodied threat to Western culture. The
custom of Muslim women to publicly cover themselves with
garments that completely hide their body and hair creates a
mystique regarding the wearer and challenges Western mo-
dernity and feminism.
Western perceptions of a stereotypical harem with trapped,
seductively veiled women were played out in the erotic
imagery of early twentieth-century films and paintings.
This misrepresentation of Islam persisted until the sudden
decolonization of French Algeria. The dramatic events of the
Algerian war (1954–1962) marked a turning point in Western
perceptions of Islamic women when heavily veiled Muslim
female militants utilized their garments for the concealment
of weapons. The use of veiling by Muslim women now had
politically sinister connotations of danger, fanaticism, and
terrorism. In the West veiled Muslim women now may be
seen both as oppressed and dangerous.
In the case of the woman who veils her face, gaze-reversal
is implied; instead of being scrutinized herself she is free to
gaze upon men without their knowledge, a perception that
thus may cause another degree of discomfort.
Any analysis of appearance must be viewed within the
totality of the social environment. The Western analysis of its
gaze on Muslim women is not capable of representing the
reality of the lived experience for each individual woman.
The Western and modern Muslim view of Islam and of
women has changed over the last hundred years or so.
Whether the hijab liberates or oppresses or is simply a part of
one’s everyday clothing is not an issue that can be easily
answered because of the complexity of each individual situation.

Literatur:
El-Guindi, F. Veil. Modesty, Privacy and Resistance. Oxford
U.K.: Oxford International Publishers Ltd., 1999.
Hussain, F., ed. Muslim Women. New York: St Martin’s Press
Inc., 1984.
Mernissi, F. The Veil and the Male Elite. A Feminist Interpreta-
tion of Women’s Rights in Islam. Translated by Mary Jo
Lakeland. Reading, Mass.: Addison-Wesley Publishing
Company, Inc. 1991.
Watson, H. “Women and the Veil: Personal Responses
to Global Process.” In Islam, Globalization and Postmodernity.
Edited by A. Ahmed and H. Donnan London:
Routledge, 1994.

Vielleicht kommt noch einmal eine Fortsetzung mit weiteren Fundstellen meiner Literatur. Jedenfalls beziehen sich immer mehr muslimische Frauen auch auf ihre Religion, wenn sie sich dazu entschließen das Kopftuch eben nicht anzulegen, wie zum Beispiel Lamya Kaddor. Wie Umfragen ergaben, zieht die Mehrzahl auch der strenggläubigen Muslimas sowieso kein Kopftuch über. Aber nicht jede unterfüttert ihren Entschluss mit islamischer Theologie, bzw. mit einer argumentativen Basis wie es Frau Kaddor tut.

Sie schreibt in einem Artikel, warum sie es nicht mehr als ihre Pflicht ansieht, ein Kopftuch besonders in der hiesigen westlichen Gesellschaft zu tragen:

... Die heutige orthodoxe Auffassung von der Kopftuchpflicht basiert in erster Linie auf den Interpretationen von Gelehrten, die mehrere Generationen nach dem Propheten Muhammad gelebt haben. Ihren Urteilen kann man folgen, aber sie sind nicht sakrosankt. Als Menschen sind alle Gelehrten fehlbar. ...
Hier der vollständige Artikel, sehr interessant.
Wer weitere Begründungen für das Nichttragen des Kopftuches durch Lamya Kaddor erfahren möchte, kann sich hier einen Radiobeitrag anhören, oder hier ein Interview.



(Bildquelle: Wikimedia Commons - 'White Girl' - digital print - 60 x 40 'White Girl' by Sarah Maple Sarah Maple)

Kommentare:

  1. Dumm halt nur, dass es so unendlich viele Leute gibt, die mit einer Art Basta-Argumentation einfach behaupten, es stünde da und wer das abstreite sei ein Frevler.

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  2. Hallo Anisah. Du hast auch ein nettes Blog. :)
    Was meinste mit "was" steht da?

    Ich vermute, du meinst das Wort Kopftuch, bzw. das Wort (Gesichts-)Schleier, nicht wahr?
    Jedenfalls müsste es für jeden Muslim merkwürdig vorkommen, und für jeden der einen Imam oder andere Korankundige fragt auch zumindest zum Grübeln kommen, warum im Koran nicht explizite Bekleidungsregeln klipp und klar ausgesprochen wurden. Wieso nicht glasklar von Kopftuch, bzw. Gesichtsschleier gesprochen wird, denn es gab im damaligen Alt-Arabisch ja durchaus diese Worte. Warum dieses "Rumgeeiere"? (Wenn es denn sooo ein wichtiges Thema in etlichen Familien ist? Manchmal mit soviel Leid verbunden? (Weil die Töchter eben rebellieren.))
    Gut, man kann alles und jedes mit dem Wort: "Gottes Wege sind unergründlich..." abtun, und damit gleichzeitig seinen Verstand etwas abschalten (was im Koran ausdrücklich nicht verlangt wird, im Gegenteil, es wird sehr oft darauf gedrungen, den Verstand zu benutzen!).
    Dann müsste man aber zur Schlussfolgerung wenigstens gelangen, wenn das Kopftuch, gar der Schleier soooooo wichtig wäre, für Gott, nicht für die Männer wohlgemerkt, dann hat Gott dieses soooo kompliziert und durch die Blume und so unkonkret und so "nebenbei" erwähnt, dass das Nichttragen des Kopftuches seiner Menschenkinder kaum Folgen im Himmel haben dürfte, denn er hat letztlich ja "selber Schuld". Man kann natürlich alle möglichen "Winkelzüge" unternehmen, philosophischer Art, juristischer Art, exegetischer oder metaphorischer Art, wie es jahrhundertelang getan wurde, um z.B. ein Kopftuchgebot zu erkennen. Obige Fragen - die jeder, der gesunden "Menschenverstand" benutzt - werden damit aber nie hinreichend beantwortet: 1. Warum nicht die richtigen arabischen Worte für die konkreten Dinge verwenden? 2. Warum nicht glasklar sagen, was man möchte? (OK, im Koran ist vieles leider nicht so glasklar ausgedrückt, wäre wohl zuviel von Gott verlangt... ;)) 3. Warum dieses "Rumgeiere" mit den Frauen Muhammads, warum nicht klar sagen, "muslimische Frauen sollen Kopftuch tragen", Ende der Debatte?
    forts. folgt

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  3. Forts.:
    (Ich weiß, es gibt auch Hadithe dazu, aber Hadithe sind menschlich, und schon die mittelalterliche Hadithwissenschaft hatte hunderte, tausende, zehntausende (!) Hadithe vernichtet, weil sie in deren Augen nicht glaubwürdig (sahih) genug waren. Wie und warum da welche Schriften vernichtet wurden, andere hingegen als sicher eingestuft wurden, ist recht "vage" um nur aufgrund dessen jemand anderen als "ehrlos" zu bezeichnen, wenn diejenige kein Kopftuch tragen möchte, oder ihr das Muslimsein abzusprechen. Zumindest sind vielleicht viele, vielleicht auch die meisten, nicht alle (!), Hadithe der "sicheren" Tradenten (des sunnitischen Kanons) zumindest potentiell richtig, da sie in die Nähe von Muhammad historisch zu datieren sind. Trotzdem wissen viele Muslime gar nicht, dass diese Hadithe mitnichten alle Aussprüche des Propheten waren, sondern ihm manchmal später erst zugeschrieben wurden, und durchaus von seinen Gefährten kamen, also von seinen Verwandten, von seinen Frauen, aber auch die Angestellten, der Sekretär, ja sogar von Sklaven gekommen sind. Alle wurden damals von der jungen muslimischen Gemeinde gefragt (weil eben der Koran so wenig praktische Antworten gab) die mit Muhammad irgendwie zu tun hatten. Ob dann aber jede Antwort eines Gefährten, Angestellten, einer der Frauen Muhammads sooooo sankrosankt ist, bis hin, dass heutzutage in nahöstlichen Diktaturen eine Religionspolizei über die Haare wacht, das wage ich doch zu bezweifeln, wenn man sich mal den gesamten Koran anschaut, seine Intention, dass Gott uns das Leben erleichtern, nicht erschweren wollte, dass von Barmherzigkeit noch und nöcher geredet wird, vom kein Zwang im Glauben, und, und, und.... Zumindest kann ich diejenigen Muslimas verstehen, denen da ganz gewichtige Zweifeln kommmen, denn die Gegenargumente können wie gesagt obige Grundfragen nur mit vielen Winkeln und Verrenkungen versuchen zu erklären, aber das befriedigt nicht alle, denen sich obige Fragen stellten.
    Sorry, wenn ich hier so "flapsig" rede, aber es ist spät, und ich schreibe hier gerne so, als würde ich mit Freunden telefonieren, und da redet man meist auch nicht so "gestelzt", sondern eher locker. Von der Form her, nicht vom Inhalt her.
    Gute Nacht.

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  4. Das Foto ist übrigens Weltklasse ;)

    Ich habe lange überlegt, ob ich Dir antworten soll...für mich gibt es keinen wirklichen Grund, Tuch zu tragen. Aber dennoch, mit meinem Eindringen in diesen Glauben verändern sich allmählich meine Wertmaßstäbe und auch meine Vorstellung von "korrekter" Kleidung - und es wächst eine Sehnsucht nach so einem Tuch, die ich mir nicht erklären kann, die aber nichtsdestotrotz vorhanden ist.

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  5. Nur zu, ich beiße nicht... ;) Es gibt außerdem keine dummen Fragen... Und hier herrscht Meinungsfreiheit, auch im Blog.
    Es lassen sich meiner Erkenntnis nach sowohl das Kopftuchtragen, also auch kein Kopftuchtragen aus den Schriften des Islams ableiten, gleichermaßen mit guter theologischer Begründung, allerdings sehen die meisten islamischen Gelehrten der Welt (Männer wohlgemerkt) das Kopftuch nach wie vor als Pflicht an. Fragt man nach dem inneren Sinn eines Kopftuches, so lassen sich wohl auch verschiedene Deutungen zu, je nachdem wo man lebt. Lebt man in einem Dorf in Ägypten, mag der Sinn und die Aufgabe des Kopftuches besser passen, als lebt man in Kassel, wo die Blicke der Männer auf die Frau mit Kopftuch eher noch gesteigert wird... Letztlich wird diesem Stück Stoff aber auch zuviel Bedeutung, hier und in der islamischen Welt beigemessen, man hat manchmal den Eindruck, als handelte es sich um die 6. Säule des Islams. Ich bin der Meinung, man solle erstmal die ganzen anderen Maßstäbe des Islams für sich im Alltag anwenden (nicht die äußeren Pflichten, ich meine die geistige Haltungen, die Ethik, usw.), dann kann man sich immer noch sich über das Stück Stoff seine Gedanken machen. Denn diese inneren Maßstäbe des Islams zu erfüllen fällt oft schon schwer genug, damit hat man schon lange zu tun, seinen Charakter nach islamischen Maßstäben zu formen (also die Barmherzigkeit, die "10 Gebote", die Liebe im Herzen, die Gerechtigkeit, usw.).

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  6. Der Artikel ist interessant, schade aber, das die traditionelle Sicht der muslimischen Gelehrten keine Rücksicht findet. Genauso wie das rituelle Gebet, dass auch aus den Hadithen hervorgeht, ist auch die "standard"-Verschleierung bis zum 19 Jhd. in keinster Weise kontrovers gewesen unter den sunnitischen Gelehrten. Man müsste, um dieses Thema zu erläutern, eher auf die Hadith-Wissenschaft, als auf die Quranverse eingehen. Die Kommentare hier waren dazu sehr oberflächlig und teilweise von Unkenntnis geprägt. Etwas mehr Verständnis für die Orthodoxie könnte das Beheben.

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  7. Ja, deine Anmerkungen kann ich nachvollziehen und teilweise auch teilen. Für die einen sind meine Artikel zu lang oder zu detailliert oder mit zu vielen Informationen versehen, für die anderen habe ich wiederum viele andere Aspekte nicht ausgeführt, bin zu oberflächlich geblieben, hätten mehr Links nicht schaden können. Daher bin ich immer für Anregungen und Feedback in den Kommentaren dankbar.

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  8. Immerhin habe ich jedoch weiterführende Literatur angegeben, wo auch die Rolle der Hadithe noch nachgelesen werden könnten:

    El-Guindi, F. Veil. Modesty, Privacy and Resistance. Oxford U.K.: Oxford International Publishers Ltd., 1999.
    Hussain, F., ed. Muslim Women. New York: St Martin’s Press Inc., 1984.
    Mernissi, F. The Veil and the Male Elite. A Feminist Interpretation of Women’s Rights in Islam. Translated by Mary Jo Lakeland. Reading, Mass.: Addison-Wesley Publishing Company, Inc. 1991.
    Watson, H. “Women and the Veil: Personal Responses to Global Process.” In Islam, Globalization and Postmodernity. Edited by A. Ahmed and H. Donnan London: Routledge, 1994.

    Außerdem habe ich gleich zu Anfang auf das PDF von Loay Mudhoon verlinkt, der weitere Informationen enthält, z.B. im Kapitel: "Weitergehende Festlegungen im Hadīth, in der klassischen islamischen Koranexegese und im islamischen Recht"
    Weil ich ja zur Einführung erstmal schauen wollte, was denn eigentlich der Koran dazu sagt.

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